Vertriebs-
und Veröffentlichungsverzeichnis der
AG Freiraum und Vegetation
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Notizbücher
der
Kasseler Schule
Notizbuch 1 Über den Umgang mit Bäumen
Notizbuch 2 Krautern mit Unkraut
Notizbuch 4 'Mini - Kienast' - Synthetische Übersicht der Stadtvegetation Kassels
Notizbuch 5 Ein alter Hut: Die bioökologische Stadtgrünpflege
Notizbuch 6 Beitrag zur Disziplingeschichte der Freiraumplanung und Landschaftsbildanalyse
Notizbuch 7 Träume von Säumen, und Kasseler Kalkschotterdecken
Notizbuch 8 Mietergärten - Sind Zufälle planbar?
Notizbuch 9 Der Praxisschock - Von fertigen Unwegen und unfertigen Wegen
Notizbuch 10 Nachlese Freiraumplanung
Notizbuch 11 Die Vegetation der Stadt - ein freiraumplanerisch wertender Literaturführer
Notizbuch 12 Struktur und Nutzung dysfunktionaler Freiräume
Notizbuch 13 Grünlandwirtschaft und Naturschutz in der Hessischen Rhön
Notizbuch 14 Stadtvegetation - Kritische Bibliographie
Notizbuch 15 Die Liebe zur Macht - Über die Reproduktion der Enteignung in der Landespflege
Notizbuch 17 Pflege ohne Hacke und Herbizid
Notizbuch 18 Hard-Ware. Texte von Gerhard Hard
Notizbuch 19 Was hat Martha Muchow mit Astrid Lindgren zu tun? und Freiräume an Schulen
Notizbuch 21 Sommer 1989 - Prüfungsreden
Notizbuch 22 Der große Ent-Wurf präsentiert Grünplanung
Notizbuch 24 Die Grünplanung im Gefolge der Stadtplanung und Der Landschaftsplan für die Stadt
Notizbuch 25 Worpswede und umzu, Hof und Haus - Land und Leute
Notizbuch 27 Vom Straßenrand zur Bordüre
Notizbuch 28 Die 'Freie Landschaft'?
Notizbuch 30 Prüfungsreden '91/ 92
Notizbuch 32 Die Vegetation als Indiz der Wirtschaftsgeschichte
Notizbuch 33 Vom Regen in die Traufe
Notizbuch 35 SchauDerGärten - Nachlese zur Gartenschaukritik
Notizbuch 37 Blockrand und Stadtrand
Notizbuch 38 StadtBaumSchule oder Vertrauliche Mitteilungen über Bäume
Notizbuch 39 Himmel und Hölle - Das Gartenmotiv im Märchen, und Kindermalerei auf der Straße
Notizbuch 40 Freiraum und Vegetation
Notizbuch 41 Die Gartenstadt Neu-Siebethsburg in Wilhelmshaven
Notizbuch 43 Agrarberatung und Agrarkultur und weitere Texte
Notizbuch 45 Kunst wächst manchen über den Kopf
Notizbuch 46 Das Maß der Dinge Prüfungsreden 1994 / 1995
Notizbuch 47 Ich gehe raus - und bin doch zu Haus
Notizbuch 48 Muttheorie gegen Zumutungen
Notizbuch 49 Ruderalvegetation Ökologie & Ethnoökologie, Ästhetik und „Schutz“
Notizbuch 52 Gagel, Speik und Wegerich, Beiträge zur Landschafts- und Vegetationskunde
Notizbuch 53 Alle reden vom Land ...und andere Texte zur Landschaftsplanung
Notizbuch 58 Licht und Schatten – Herstellungsplanung
Notizbuch 59 Über kurz oder lang – Die Handlung macht den Ort
Notizbuch 60 Alle Pflanzen färben irgendwie Gelb
Notizbuch 61 Wer lehrt, lernt – Wer nichts lernt, kann nicht lehren
Notizbuch 62 Anthropogene Vegetation
Notizbuch 63 Von der Klassenfahrt zum Klassenbuch - Lythro-Filipenduletea an Hamme, Wümme und Oste
Notizbuch 64 Von gemeinen Hufen
Notizbuch 65 Gartenflora Bestimmungsschlüssel für einkeimblättrige Gartenpflanzen
Notizbuch 66 Unter Verschluß. Der 'modische Bebauungsplan'
Notizbuch 67 Symposien der AG Freiraum und Vegetation 2001-2004
Notizbuch 69 Die Forstpflanzengesellschaften des Hunsrück im Lichte ihrer Wirtschaftsgeschichte
Notizbuch 71 Metaphern und Metamorphosen der Landschaft
Notizbuch 72 Der schöne 'Eichen-Hainbuchen-Wald' - auch ein Forst
Notizbuch 73 Reisen um Fragen zu finden
Notizbuch 74 Hausen statt Wohnen
Notizbuch 75 Über den Tellerrand
Notizbuch 76 Symposien der AG Freiraum und Vegetation 2005-2008
Notizbuch 77 Altmark-Reise - Romanische Dorf-Kirchen
Notizbuch 78 Altmark-Reise - Ackerbrachen
Notizbuch 79 Strandgut - Vegetationskundliche Fundstücke
Notizbuch 82 Beschwerliche Reisen zu den Abgründen, des Weinbaus ...
Notizbücher der Kasseler Schule
Literatur zur Freiraumplanung, Landschaftsplanung und Vegetationskunde sowie zum Lernen und Lehren
Jede Forschung, die nicht aus Lernen und Lehren hervorgeht, ist von vornherein suspekt, weil sie den Freiraum des Nachdenkens willig der Erwartung des Auftraggebers ausliefert. Wie denn der voreilige Spruch von der Planungsrelevanz des Lernens und Lehrens, eingeführt von den Vertretern der reformistischen Studienreform, klammheimlich die Kollaboration mit dem Mehrwert und den ungleichen Tausch als Maßstab enthält. Das ist die Voraussetzung für die billige Reduktion des 'Lehrens' auf die autoritäre Verwertung unter der Fahne des Widerstandes - in den 70igern mit der Parole 'Marsch durch die Institutionen' propagiert und vorhersehbar gescheitert.
Manche Leute, die Etiketten verteilen, wissen die verschiedenen Arbeiten genau zuzuordnen. Wir sind da unsicherer. Die sichere Begründung dieser Unsicherheit ist leicht. Wir gehen davon aus, daß indizienwissenschaftliche Arbeit vornehmlich vom Verständnis und der Interpretation der Analogien ausgeht und lehrreich ist. Naturwissenschaftliche Anatomien zwingen dagegen zum Auswendiglernen. Analogien befördern mich im Verständnis des Prinzips und erfordern weder Lexikon noch Computerwissen.
Deshalb werden in den Arbeiten - unabhängig von der bibliothekarischen Zuordnung - alle uns bekannten vorgeleisteten Kenntnisse berücksichtigt. Agatha Christie oder Martha Muchow ist da ebenso wichtig wie Thorstein Veblen, A. Thienemann, E. Mandel oder R. Tüxen. Mit der Verheißung der Interdisziplinarität wurde ganz elfenbeinklassisch die 'Atomisierung der Betrachtungsweise' unter dem Etikett der Zusammenführung forciert. Und bei der Gelegenheit sorgte der technische Erkenntniswahn für den Ausbau der Spezialisierung, die zudem noch die Berufsorientierung in spezialisiertes Expertentum auflöste. Deshalb gehört in unsere Vertriebsliste auch Literatur, die nicht zum bekannten Repertoire zählt. Die Verlagstätigkeit der AG Freiraum und Vegetation hat deshalb sehr - scheinbar - verschiedene Füße. So weit wir dies leisten können, führen wir Nachdrucke vergriffener Arbeiten durch (z.B. Thienemann, Leben und Umwelt) und vertreiben Arbeiten, die von anderen Herausgebern gedruckt wurden, wenn sie mit den Gewährstexten oder der Philosophie der Kasseler Schule wahlverwandt sind. Wichtig ist uns allerdings die Veröffentlichung studentischer Arbeiten. Wir legen auch Wert darauf, daß die Notizbücher preiswert sind.
Die Herausgabe, die viel Arbeit und Findigkeit voraussetzt, auch viel Betreuung erfordert, damit die Mitteilungen sinnvoll sind, hat zwei Absichten zur Voraussetzung. Einmal eine Lehre und Betreuung, die die Arbeitsfähigkeit und das Studierinteresse der StudentInnen fördert und auch von den BetreuerInnen Kompetenz und lernende Teilnahme erfordert, damit die Ergebnisse einen 'Zugewinn' an Kenntnis und Aufmerksamkeit nachweisen. Dies steht gegen die 'schwarze Pädagogik' des Normalbetriebs, in dem die Lehrenden die StudentInnen sinnlos beschäftigen und bei dieser Gelegenheit auch den Status ihrer Lehrtätigkeit bis zur Sinnlosigkeit entwerten. Zum anderen müssen die Hefte preiswert sein, damit sie an 'Autoren', d.h. vor allem an StudentInnen verkauft werden können. Die Notizbücher sind ein Dokument studentischer Lern-Forschungsgeschichte, die sonst unterschlagen und vereinnahmt - wenn nicht verhindert - wird. Sie dokumentieren leicht zugänglich die Lern-Lehr-Forschung und studentische Arbeit, die für StudentInnen bei häufigem Wechsel der Beteiligten Vorbild, Ermutigung und Arbeitsmittel (Lehrbuch) sind. Die Erträge der Arbeiten sind wie die Tradition der kontinuierlichen Erweiterung der jeweils erreichten Kenntnisse durch neue fortführende Arbeiten nachgewiesen und im Gegensatz zur eiligen Revision des Projektstudiums, das ja so auch für die Berufstätigkeit angewandt werden könnte, ein Beweis für seine Fruchtbarkeit.
Die Verlagstätigkeit der AG Freiraum und Vegetation, die seit gut fünfundzwanzig Jahren als gemeinnütziger Verein anerkannt ist, umgeht die Zensur ebenso, wie den etablierten Wissenschaftsapparat.
Finanziert werden müssen die Notizbücher auch. Also müssen sie auch verkauft werden. Von den 65 Notizbüchern - seit 1985 - und einigen Standardwerken, sind inzwischen gut 50.000 Exemplare verkauft worden. Sie sind bekannt, anerkannt und preiswert. Deshalb können wir dann auch immer wieder neue Notizbücher drucken. Bemerkenswert bei dieser weiten Verbreitung, die noch durch Zeitschriftenbeiträge aus der Kategorie 'Exilliteratur' ergänzt wird, ist der Mangel jeglicher erklärter Rezeption und Zitation der Arbeiten. Dafür werden sie üppig ausgebeutet und ohne Hinweis z.T. wörtlich abgeschrieben oder auch eilig verwurstet. Aber das soll ja häufiger vorkommen, auch wenn dies gegenüber den AutorInnen nicht die feine englische Art ist - vor allem, wenn dabei gleichzeitig noch der Gedanke umgemünzt wird.
Zur Dramaturgie der Notizbücher
Sie sind zuerst Ausdruck und Ergebnis der Lern-Lehr-Forschung aus der AG Freiraum und Vegetation. In diesen ist durch Betreuung und Beiträge die Arbeitserfahrung von Berufstätigen eingebracht und dargestellt. Wir würden uns über Kommentare, Kritiken, Stellungnahmen der LeserInnen freuen. Es kann doch nicht sein, daß niemand einen Kommentar zu den Beiträgen beitragen kann. Wir würden uns deshalb freuen, wenn in den zukünftigen Notizbüchern auch Kommentare und Stellungnahmen der LeserInnen abgedruckt werden könnten.
bisher erschienen
Notizbuch
1
oder
praktisch - handwerkliche Erfahrungen zur
Technik des Bäumepflanzens.
(1985) DIN A 5, 104 S. (148g), vergriffen, wird von Notizbuch 38 abgelöst
Sie können Notizbuch 1 hier als pdf-Dokument herunterladen (ca. 6,5 MB)
Mit vielen Bildern und Zeichnungen werden anschaulich die wichtigsten 'Regeln' beim Bäumepflanzen dargestellt: Pflanzformen, Abstände, Baumstreifen, Einschlag, Pflanzzeit, Pflanzung und Pflanzschnitt, Pflege und Wässern etc... Grundlage der 'Regeln' sind die Erfahrungen aus der Aktion 7000-Eichen von Joseph Beuys (1982-1987) in Kassel.
Notizbuch
2
oder:
gärtnerische Erfahrungen mit der spontanen
Vegetation.
(1986) DIN A 5, 184 S. (248g) vergriffen
Sie können das Inhaltsverzeichnis von Notizbuch 2 hier einsehen und die einzelnen Beitäge als pdf-Dokument herunterladen
In verschiedenen Beiträgen werden Erfahrungen und Vorschläge zur Anwendung der spontanen Vegetation in der Freiraum-/Objektplanung dargestellt. Dies ist der erste Beitrag zum freiraumplanerischen Vegetationshandwerk.
Zwei Beiträge mit umfangreichen Literaturhinweisen bereiten Erfahrungen und Kenntnisse zur Saatgutwerbung und Keimprüfung auf. Ein weiterer Beitrag mit Recherchen zu Korn/Grammgewichten führt für 400 Arten die Korn / Grammgewichte verschiedener Autoren auf.
Notizbuch
4
'Mini - Kienast' - Synthetische Übersicht der Stadtvegetation
Kassels
(1987) DIN A 5, 40 S. (102g) (3,00 Euro)
Gudrun Krah hat alle bei D. Kienast (1978) aufgeführten Gesellschaften synthetisch zusammengefaßt und in einer Übersichtstabelle dargestellt. Diese Übersicht macht die syndynamischen und syngnetischen Verbindungen der Stadtvegetation deutlich und ist auch als Bestimmungsschlüssel der Gesellschaften vorzüglich zu nutzen.
Notizbuch
5
Ein
alter Hut:
Die
bioökologische Stadtgrünpflege
– Eine freiraumplanerische und vegetationskundliche Erwiderung auf E.M Albertshauser.
(1987) DIN A 5, 104 S. (160g) (5,00 Euro)
Das Buch 'Neue Grünflächen für die Stadt - Natur, die man sich leisten kann' von E.M. Albertshauser (1985) nimmt der Autor kritisch unter die Lupe. In einer ausführlichen Buchbesprechung wird der grünplanerische und stadtgärtnerische Hintergrund der technischen Rezepte untersucht. Das Ergebnis: mit viel bioökologischem Brimborium, das weder einer handwerklichen noch pflanzensoziologisch - vegetationskundlichen Prüfung standhält und i.d.R. einfach nur falsch ist, wird der klassischen Stadtgärtnerei des ästhetisierenden Nutzungsvorbehalts ein Rettungsanker geworfen. Und mit diesem soll der freiraumplanerischen Kritik an der Grünplanung unter Vereinnahmung der Argumentation und des Vokabulars der Strick gedreht werden.
Stolzenburg J. / Vetter Ch. A.
Notizbuch
6
Beitrag zur Disziplingeschichte der Freiraumplanung und
Landschaftsbildanalyse
(1983 / 1988) A 5, 104 S. (146g) (5,00 Euro)
In diesen beiden Beiträgen wird der ideologischen Literaturproduktion der Landespflege in 20 Jahren Garten und Landschaft (1960 - 1980) sowie 10 Jahren Landschaft und Stadt (1970 - 1980) nachgespürt. Es ist schon erstaunlich, welche Verheißungen und weltweisen Absichten da alle gegen die Realverhältnisse formuliert werden. Ein geradezu 'göttlicher' Gestaltungswahn, der immer auf der gerade verwertbaren Enteignungs- und Verkaufsebene seinen Markt macht, kommt hier zum Vor-Schein.
Das 'Landschaftsbild' ist ein Fallbeispiel für wissenschaftliche Mimikry. Neben der philanthropischen Propaganda muß die Enteignung von Alltagswahrnehmung und -verständnis durch Abstraktion (Verwissenschaftlichung) gesichert werden; Entmündigung durch Experten.
Krah G. / Gimbel G. / Hennen R.
Notizbuch
7
Träume von Säumen, und Kasseler Kalkschotterdecken
(1987) DIN A 5, 160 S. (234g) (7,25 Euro)
Ein verständiges Vegetationshandwerk setzt Erfahrungen und Kenntnisse vor Ort voraus. Die Pflanzen haben die Bücher, die über sie geschrieben wurden, bekanntlich noch nicht gelesen. Die hier dokumentierten Arbeiten von G. Krah und von G. Gimbel / R. Hennen, bieten da einen ganzen Fundus solcher Erfahrungen, der für jede(n) an der genuin städtischen Vegetation Interessierte(n) für die Theorie und Praxis der Freiraumplanung wertvolle Hinweise liefert.
Mit der Erfindung des Geschoßwohnungsbaus wird das 'Hausen' auf die Wohnung reduziert zum 'Wohnen'. Dies hat drastische Folgen für die sozialen Lebensbedingungen der BewohnerInnen, indem deren Kompetenzen zu Gunsten administrativer Verfügbarkeiten und Kontrolle enteignet werden. Dies geschieht nicht zufällig, sondern sehr absichtsvoll! Scheinbar zufällig sind dagegen die auch unter den schlechten Vorgaben sich einstellenden Aneigungen, die sich gegen die kontrollierenden Gestaltungen der Grünplaner manifestieren. Aber diese scheinbaren Zufälle sind so zufällig nicht; sie hängen ab von materiellen Strukturen, die Handlungsspielräume noch offen lassen. Dies sind die Orte für's planerische Lernen, das die Leute und nicht die Institutionen ernst nimmt. An Hand vielfältiger Beispiele werden für die Theorie und Praxis der 'Planung' notwendige Überlegungen dargestellt.
Notizbuch
9
Der Praxisschock - Von fertigen Unwegen und unfertigen Wegen
(1988) DIN A 5, 96 S. (vergriffen) wird von Notizbuch 45 abgelöst.
Die Referate zu einem Symposion Kasseler AbsolventenInnen der Landschafts- und Freiraumplanung werden hier wiedergegeben. Es geht dabei vornehmlich um den Zusammenhang von Studium, Lehr- und Lerninhalten und beruflicher 'Verwertbarkeit'.
Verstreute und zum Teil schwer zugängliche Veröffentlichungen und Texte aus den letzten 10-15 Jahren 'Kasseler Schule' werden hier nachgedruckt bzw. erstmalig veröffentlicht. Diese Texte geben eine gute Übersicht über die Vervollständigung der Ausgangsthesen (s. z.B. Notizbuch 2 - Programmatische Anmerkungen) und ihre Konkretisierung an Beispielen und Prinzipien. Den 'roten Faden' stellt einleitend H. Böse-Vetter dar. Ergänzt wird die Nachlese mit einer Bibliographie der Texte der 'Kasseler Schule'.
Notizbuch
11
Die Vegetation der Stadt - ein freiraumplanerisch wertender
Literaturführer
(1989) DIN A 5, 88 S. (126g) (5,00 Euro)
Aller Verlautbarungen, Propaganda und Sprüche der Profession zum Trotz ist immer noch die Arbeit konstitutiv für das, was wir die Landschaft der Stadt nennen. Die Arbeit von Bernd Sauerwein faßt gut 15 Jahre vegetationskundlicher Erfahrungen mit der Stadtvegetation und ihrer sozialen Bedeutungen pointiert, facettenreich und streitbar geschrieben zusammen, gegen den biotopistischen Muff der Grünplanung oder postmodernen Ästhetisierens, die mit ständig neuen Erfindungen Schrecken und Bedürftigkeit vergrößern. Neben einer kritisch reflektierten Geschichte vegetationskundlich lernender Freiraumplanung ist ein Literaturführer entstanden, der fürs Thema wichtige Beiträge zugänglich und nachvollziehbar macht.
Notizbuch
12
Struktur und Nutzung dysfunktionaler Freiräume
(1979 / 1988) DIN A 5, 138 S., 2. Aufl. (198g) (5,00 Euro)
Diese von der AG Freiraum und Vegetation neu aufgelegte Arbeit stellt einen wesentlichen Bestandteil der Theorie der 'Kasseler Schule' dar. Mit der Untersuchung 'dysfunktionaler Freiräume' ist ein Phänomen beschrieben, das konstituierend für alle Freiräume ist: der Wechsel von Nutzungsbindung und Nutzungsoffenheit erst erlaubt gesicherte Verhaltensmöglichkeiten und Verhaltensspielräume. Dies ist auch vegetationskundlich zu belegen. Daß die Qualität eines Freiraums in seinen Anteilen an Dysfunktionalität zu bewerten ist, stört die Protagonisten der Funktionstrennung. Deshalb sah sich der Fachbereich Stadt- und Landschaftsplanung mehrheitlich genötigt, diese Arbeit nicht erneut in den Arbeitsberichten des FB 13 aufzulegen. Die dysfunktionalen Freiräume sind Vorbilder, an denen vortrefflich für eine soziale Theorie und Praxis der Freiraumplanung gelernt werden kann, selbstverständlich nur für den, der etwas lernen will.
Notizbuch
13
Grünlandwirtschaft und Naturschutz in der Hessischen
Rhön
(1989) DIN A 5, 320 S.; Tabellenband DIN A 4, 75 S. (658g) (10,75 Euro)
Mit vegetationskundlich wohlaufbereitetem Aufnahmematerial (900 Aufnahmen) wird die Geschichte eines 'Stücks Landschaft' in der hess. Rhön auf spannende Weise erzählt. Gegen die Annahme des Naturschutzes, daß die Extensivierung der (landw.) Produktion zur Differenzierung der Naturausstattung führe, produktive Arbeit also zur Stabilisierung einer schützenswert erachteten Naturausstattung keine Rolle spiele, wird sehr anschaulich nachgewiesen, daß nur über das Verständnis der (geschichtlich) investierten Arbeit zum Lebensunterhalt ein adäquates Verständnis der jeweiligen Naturausstattung herzustellen ist. Dem steht die Profession, samt des ihr vor- und nachgeschalteten wiss. Apparates blind und desinteressiert gegenüber. Nachzulesen u.a. in den Untersuchungen des grünlandbotanischen Instituts der Hess. Lehr- und Forschungsanstalt und deren kritikloser Übernahme im Landschaftsentwicklungsplan Naturpark Hess. Rhön, die mit den vegetationskundlichen Befunden von J. Stolzenburg konfrontiert, das Dilemma des konventionellen Naturschutzes offenkundig werden lassen.
Notizbuch
14
Stadtvegetation - Kritische Bibliographie
(1989) DIN A 5, 88 S. (132g) (5,00 Euro)
Im Notizbuch 11 hat Bernd Sauerwein einen kritisch wertenden Literaturführer zur Stadtvegetation vorgelegt. In diesem Notizbuch nun wird mit etwa 1000 Literaturverweisen die zugehörige Bibliographie nachgereicht. Neben vollständigen bibliographischen Angaben ist die Literatur nach Stichworten aufgeschlüsselt. Neben pflanzen- und sigmasoziologischen Hinweisen nach Klassen, Ordnungen, Verbänden, Assoziationen sind die Texte nach Inhalten zur Pflege, Vegetationsbegründung, freiraumplanerischem Kontext, Standortbedingungen (Klima, Immissionen, etc.) u.a. aufgeschlüsselt. So ist - ergänzt um die Nennung der Untersuchungsorte - die Suche nach Texten mit bestimmten Informationen, insbesondere für die planerische und vegetationskundige Arbeit ganz beträchtlich vereinfacht.
Notizbuch
15
Die Liebe zur Macht - Über die Reproduktion der Enteignung in
der Landespflege
(1989) DIN A 5, 172 S. (230g) (7,25 Euro)
Diese Untersuchung (Dissertation) zur ideologischen Funktion der Landschaftspflege bei der Umverteilung des Zugriffs und der Enteignung der naturbürtigen Produktionshilfsmittel, stellt Gerda Schneider - im Gegensatz zu Gröning / Wolschke 'Die Liebe zur Landschaft' - paraphrasierend unter den Titel 'Die Liebe zur Macht'. Nach 7 Thesen zur patriarchalen Industrialisierung durch die Mittäterschaft der 'Landespflege' beginnt die Ausführung der Thesen mit dem 'landespflegerischen Jargon'. Aufgeboten wird dazu eine Resolution zum Bundessymposion - 'Grün sichert Leben' (1986). Die darin beschworenen Ahnherren der Landespflege - Lenné und Vorherr - gaben genug Anlaß für eine nähere Prüfung dieser Berufung. Anders als in den üblichen Lobliedern auf diese Landesverschönerer (Garten und Landschaft 11/89) erscheinen bei näherer Prüfung ihre tatsächlichen 'Leistungen': Vorbereitung und Durchsetzung hausfrauisierter Arbeits- und Lebensverhältnisse. Diese Ideologie der Landespflege entspricht denn auch die psychische Disposition interdisziplinärer Verhaltenskodexe. Diese 'Botschaft' ist offenbar auch für die Berufswahl wirksam, was gleichzeitig die 'Psychopathologie der Landespflege' personengebunden stabilisiert. Eine pointiert - apodiktische Skizze des 'landschaftsplanerischen Freiraums' schließt die streitbare und feministisch geleitete Schrift ab.
Notizbuch
16
Planen für die Wechselfälle des Lebens und
Die 'produktive' Bedürftigkeit der angestrengten
Junggesellenkultur
(1989) DIN A 5, 116 S. (162g) (5,00 Euro)
Am Beispiel hochgelobter 'Vorarlberger Reihenhaussiedlungen' kommentiert Urta Steinhäuser die Folgen architekturideologisch geplanter 'Gemeinschaftlichkeit' für den Alltag. Dem stellt sie eine unprätentiöse Philosophie des Reihenhauses gegenüber, die von der Erfahrung ausgeht, daß die 'Organisation' von 'Haus und Hof' wie die Addition von 'bebautem und unbebautem Raum' nur bei der Beachtung einfacher Regeln den Wechselfällen des Lebens entsprechen und unter veränderten Bedingungen anpassungsfähig ist, ohne daß die Absicht auf die falsche Bahn gerät.
Carmen Dams hat eine kritische Analyse des Begriffs der Reproduktion vorgenommen. Sie kommt zu dem Ergebnis, daß die emphatische Reproduktionstheorie Nohls auf die Freizeit rekurriert und bei dieser Gelegenheit eine patriarchal-gewerkschaftliche Einschätzung fortschreibt. Die notwendige, aber unbezahlte, reproduktive Arbeit, die 'Produktion der Reproduktion' oder die 'Subsistenzarbeit', tritt im Blick auf die bezahlte Arbeit nicht oder minderwertig in Erscheinung. Die Freizeit im Gegensatz zur bezahlten Arbeit läßt einen Blick auf die unbezahlte Arbeit nicht zu. So werden die Orte für diese Arbeit eben auch nicht als Arbeitsplätze verstanden. In Anlehnung an D. Harvey wird Nohls Argumentation als Hilfe zur postmodernen Strategie der 'flexiblen Akkumulation des Kapitals', wie sie von E. Bloch bereits in den 20er Jahren formuliert wurde, erkannt.
Notizbuch
17
Pflege ohne Hacke und Herbizid
(1984-1990) DIN A 5, 248 S. (176g) (Neuauflage 1997 DIN A5 119 S.) (5,00 Euro)
An Beispielen aus Kassel werden die freiraumplanerischen Begründungen einer 'alternativen' Pflege öffentlicher Freiräume untersucht und dargestellt. Dabei werden einerseits die vegetationskundlichen Grundlagen einer extensiveren und selektiven Pflege aufgezeigt. Andererseits wird über die Vegetations- und Pflegetechnik hinausgehend explizit auf die Abhängigkeit und Orientierung am Gebrauch hingewiesen. Die 'technischen' Hinweise sind ohne freiraumplanerische Begründung brauchbar aber unplausibel.
In diesem Sammelband sind sonst weit verstreute und manchmal schwer erreichbare Texte von Gerhard Hard gesammelt und mit einer Vorbemerkung des Autors zur 'Disziplinbegegnung' - Vegetationsgeographie und Freiraum-/Landschaftsplanung eingeführt. Die Auswahl umfaßt Beiträge zu Studium und Lehre in weichen Disziplinen, Darstellungen zur spontanen Vegetation der Stadt und ihrer Wahrnehmung und Abbildungsqualität, kritische Analysen der verheimlichten Motive des Grünplaner-Grüns und die an Vorbildern belegten Gegenpositionen der Freiraumplanung. Und nicht fehlen darf der Beitrag - Baumchirurgie als Baumzerstörung - auf den Spuren eines lukrativen Unsinns' der einen vehementen Proteststurm der Gilde der 'Baumchirugen' hervorrief. Eine Sammlung anregender und brillanter Texte.
Frenken P. / Kölzer A. u. Hülbusch I.M. / Hülbusch K.H.
Notizbuch
19
Was hat Martha Muchow mit Astrid Lindgren zu tun? und
Freiräume an Schulen
(1990 / 1972) DIN A 5, 196 S. (264g) (7,25 Euro)
Mit der Prüfung und dem Vergleich ihres eigenen Kinderspiels haben Petra Frenken und Andrea Kölzer eine Grundlage für eine sorgfältige Interpretation der literarischen Texte vorbereitet. Damit gelingt es den Autorinnen, auch die Literatur von der Biographie her zu verstehen und lebendig werden zu lassen. Im Gegensatz dazu macht sich dann die aktuelle Debatte zum Kinderspiel von PädagogInnen und Grünplanern recht dürftig und technokratisch aus.
Aus einer frühen Phase (1972) der freiraumplanerischen Diskussion stammt der Text von Inge Meta und Karl Heinrich Hülbusch über 'Freiräume an Schulen'. Er ist ein Zeitdokument, das gelegentlich einen altertümlichen Eindruck macht und trotz der Umständlichkeit der Diskussion nichts an Aktualität verloren hat. Dies gilt auch dann, wenn die Einlassungen heute präziser geworden sind. Auch wenn die 'Schule' Anlaß der Arbeit war; es ist wohl eher ein Programm zur Freiraumplanung.
Notizbuch
20
Bilder und Berichte - Lernen und Lehren, Ein 'Stück
Landschaft': sehen,
verstehen, abbilden, beschreiben - z.B. Miltenberg / Main
(1991) DIN A 5, 126 S. mit 8 Farbs. (208g) (5,00 Euro)
Vom 15. Kompaktseminar sind Texte der Nachbereitung ausgewählt worden, um sowohl die Arbeitsweise wie die Arbeitsergebnisse darzustellen. Neben ausführlichen Texten zur Lehr- und Lernerfahrungen und der 'Muttheorie' (Pirsig, R.M.) für ein ertragreiches Kompaktseminar, werden beispielhaft die Ergebnisse pflanzensoziologischer Vegetationsabbildungen (Tabellen, Vegetationskarten), vegetationskundlicher Deutungen (Interpretationen) und landschafts-/freiraumplanerischer Verständigung über den 'Ort', seine 'Geschichte' und 'Veränderungen' (Planung) vorgestellt. Auszüge aus dem Abschlußkabarett und farbige Abbildungen der Tableaus einer Speisenkarte sind zur Vervollständigung beigefügt.
Die Prüfungsordnung im Studiengang Landschaftsplanung an der GhK fordert von den KandidatInnen in der mündlichen Prüfung einen Vortrag, den sie zu verteidigen haben. Eine kluge Idee, wenn damit die PrüferInnen sozusagen aus dem Stegreif darauf reagieren müssen und nicht umgekehrt. Damit gedeihen die Prüfungen tendenziell zur besten Lehrveranstaltung im Semester. Und sie entsprechen damit der klassischen Situation beim Planen, wo jede Vorstellung einer Prüfung entspricht. Deshalb haben wir auch einige Beiträge aus der Prüfungspraxis beim Planen beigefügt.
Schwarze B./ Trust H./ Rühling S./ Helmrich B.
Notizbuch
22
Der große Ent-Wurf präsentiert Grünplanung
(1991) DIN A 5, 184 S. (252g) (7,25 Euro)
Die konventionelle Grünplanung ist hinsichtlich der verschwiegenen Voraussetzungen ausnehmend modisch. Der Entwurf für einen Stadtplatz folgt unausgesprochen den gleichen Vorbehalten wie sie für sog. Ökosiedlungen unbewußt ausgesprochen und wieder zum Vorbehalt werden. Zum Vorbehalt, bei dem die NutzerInnen der Gestaltung bzw. der Ökologie im Sinne einer unumstößlichen technischen Größe willenlos zuzustimmen haben. Die Autorinnen prüfen die Beispiele mit professionellem wie feministischem Repertoire der Kritik auf die Stichhaltigkeit der Behauptungen. Es ist schon spannend zu lesen, wie die Kritik von einer gestandenen freiraumplanerischen Position her geführt wird und auf die praktischen Vorgehensweisen - Planung statt Entwurf - schließt.
Harenburg B./ Wannangs I. und Braun U. / Linee K.
Notizbuch
23
Von Haus zu Haus
(1991) DIN A 5, 220 S. und 5 Tabellen als Anlage. (300g) (9,00 Euro)
Der Kanon des Hauses, seine Topographie und Morphologie, ist anscheinend bekannt, wenn wir von dem Verdacht ausgehen können, daß er immer dann verweigert wird, wenn es unausgesprochene Absicht ist. Wer aber mit Absicht diesen Kanon lesbar machen will, muß schon bewußter vorgehen, um unbeabsichtigte Fehler zu vermeiden. Die qualitative Beschreibung der Merkmale des Hauses läßt sich offenbar mit der Aufnahme vieler Beispiele durchführen und als topologische Typisierung darstellen. Kanonische Gründe und materielle Variationen lassen sich danach im Gegensatz zu zufälligen Erfindungen leicht erkennen und unterscheiden. Die Hilfe einer Topologie der Beispiele dient dem genaueren Verständnis der Situationen des Gegenstandes und verringert die Zufälle beim Planen.
AutorInnenkollektiv u. Grundler,H., Lührs,H., Stolzenburg,J. (Red.:Lührs,H.)
Notizbuch
24
Die Grünplanung im Gefolge der Stadtplanung und
Der Landschaftsplan für die Stadt
(1992) DIN A5, 240 S. (316g) (9,00 Euro)
H. Lührs hat eine überarbeitete Kurzfassung der Diplomarbeit von Grundler, Lührs, Stolzenburg (1984) für den Druck vorbereitet. In der Arbeit wird dargestellt, welche Möglichkeiten es gibt, von der Siedlungstypenkarte im groben Maßstab (1:10000) über großmaßstäbliche Beispiele (1:5000/1:2000) und der expliziten Darstellung typologischer (materieller) Merkmale (-1:100) einen konkret nachvollziehbaren Darstellungsmaßstab und konkrete Planungsvorschläge wieder zu generalisieren (typisieren). (Übrigens ist die Siedlungstypenkarte aus dieser Arbeit im Landschaftsplan 'Zweckverband Raum Kassel' ohne Zitat, also geklaut abgedruckt). Der Maßstab 1:1 ist in der Abstraktion nunmehr enthalten und nicht zu vergessen. Die Generalisierung der Beispiele gelingt über den Rückgriff auf die Siedlungstypendarstellung, die jetzt im Sinne eines Plans mit einer Legende versehen wird.
'Die Grünplanung im Schlepptau' - redigiert von Willi Ring und Urta Steinhäuser - zeichnet die Geschichte der Grünplanung, die mit dem Landschaftsgarten beginnt und mit den ersten städtischen Gartenbaudirektoren (1830 - 1850) administrativ zementiert wird, nach. Die 'Geschichte' verläuft unabhängig von formalistischen Moden, was den kompensatorischen Habitus der Grünplanung und Gartenarchitektur seit der Aufklärung nachweist und diese beiden Modefächer zur Postmoderne per se - zur postmodernen Disziplin stempelt, ziemlich umstandslos und linear. Eindrucksvoll, wie einig sich Sozialisten und Kapitalisten, Kommunisten und Faschisten sind, wenn es darum geht, den Menschen die 'Autonomie im Wohnen' vorzuenthalten und mit Hilfe der grünplanerischen Propaganda durch Mietskasernen, Aufmarschplätze und schauerliche Ertüchtigung und Verlustigung zu ersetzen. Es ist keine der üblichen historiographischen Mäusetürmereien, sondern eine Geschichte, in der die Verheißungen, die Produkte und die Folgen bzw. Auswirkungen vorgestellt und kommentiert werden.
Böse-Vetter H./ Hülbusch I.M (Red)
Notizbuch
25
Worpswede und umzu, Hof und Haus - Land und Leute
(1991) DIN A 5, 188 S., mit 4 Farbseiten. (364g) (9,00 Euro)
Worpswede,
das ist die einzige Künstlerkolonie des Jugendstils und seiner
Nachfolge, wo
auch übers Hausen - Haus, Hof und Garten, Produktion und
Reproduktion -
nachgedacht und gestritten wurde. Gärten in Worpswede, der
Garten von E. Uphoff
aus den 20er Jahren als Lehrstück des 'kanonischen' Gartens,
Sprüche und
Aussprüche zu und über Worpswede und die Szene, ein
Bericht vom Leben auf dem
Sonnenhof von R. Lenzner-Migge (mit kolorierten Zeichnungen), zynische
Anmerkungen zur immerwährenden 'Naturparkplanung fürs
Teufelsmoor' und weitere
Beispiele, Vorbilder und Anekdoten, die - wenn sie denn nicht vergessen
und
übersehen werden - auch für andere Orte typisch sein
könnten. Eine bunte
Sammlung von Lehr- und Schmuckstücken der
Widersprüche und Aufmerksamkeiten,
von denen viel zu lernen ist. Mit Fotos und Farbabbildungen ist das
Heft etwas
teurer als üblich.
Appel,A., Mehli,R., Scheidel,W.
Notizbuch
26
Reise oder Tour?
(1992) DIN A 5, 156 S. (212g) (7,25 Euro)
Die Reise begleitet den Fremden, der sich und seine Lerngeschichte, seine Kenntnisse und Erfahrungen mitnimmt. Der Tourist kann auch in der Fremde nicht zu Hause sein, weil er auch zu Hause kein Reisender, Erfahrender ist. Was das eine LandschaftsplanerIn angeht? Nun - wenn wir uns den Klischees, dem Gartenkunstnippes und dem Landschaftskitsch, den Leitbildern der Landespflege zuwenden, dann finden wir darin die Versatzstücke, mit denen Trivialromane und Touristikbranche die verehrte Kundschaft einpudern. Es ist bemerkenswert, mit welcher Ignoranz Leute, die die Alltagswelt anderer Leute über die materielle Ausstattung ihrer Lebensorte beeinflussen, einerseits die materielle Ausstattung und ihre realen Wirkungen an zufälligen 'Experimenten' übersehen und gleichzeitig keinen blassen Schimmer vom Einfluß ihrer persönlichen Vorurteile, Gesellschaftsbilder und Wunschträume (incl. der Erfolgsvorstellungen) auf ihre berufliche Tätigkeit haben.
Andrea Appel - Reisen, ohne das Weite zu suchen - beschreibt die Voraussetzungen des Reisens, Umwege, Unwege, Fallgruben, die einen dann zur Tour verleiten. Bei der Tour gibt es, wenn überhaupt, nur die Überraschung, daß das Programm funktioniert: das berühmte A-ha. Dazwischen 'tote Wartezeit'. Kundigkeit wird vom Handel mit sogen. Erlebnissen und Devotionalien abgelöst.
Werner Scheidel zeigt uns an einem Dorf auf Tenerife, daß er, weil er den Pfarrer kannte, oft besucht, wie der Reisende durch aufmerksame Beobachtung ein Kundiger wird, der die Analogien zu seinen mitgebrachten Kenntnissen er-fährt. Genau das ist 'Landschaftsplanung', die ernst und liebevoll genau versteht, ohne den Status des Fremden durch verlogene Nähe zu vertuschen.
Im
Kontrastprogramm von Reto Mehli, der sich dem landespflegerischen
Illusionismus
widmet - eine Arbeit, die eine hohe Frustrationstoleranz erfordert -,
werden
wir mit allen verständnislos repetierten Klischees
über 'Schönheit',
'Originalität', 'Gleichgewicht', 'Natur', 'Harmonie',
'Demokratie',
'Zeitgeist', 'Kunst' etc. konfrontiert. Der Autor hat für uns
die mühevolle
Arbeit übernommen, mal die geschwätzige Verlogenheit
berufspolitischer
Verlautbarungen zu prüfen, für die sich die DGGL zu
ihrem 'Festakt' (100 Jahre)
1987 von Herrn Prof. Dr. M. Rock folgendes Lob spenden ließ:
"Diejenigen,
die sich beruflich der Gartenkunst und Landschaftspflege widmen,
erbringen
originale ökologische Kreationen und sind die wahren
ökologischen Animateure."
Auch schlecht gebrüllt.
Mit Beiträgen von Grundler,H. und Lührs,H. (Red.:Lührs,H.), Lucks,Th., Meermeier,D.
Notizbuch
27
Vom Straßenrand zur Bordüre
(1993) DIN A 5, ca. 340 S. (422g) (12,25 Euro)
Anfangs der 80er lamentierten die Gartenämter über das 'urbane Unkraut' - Cotoneaster u.a. im Straßenbegleitgrün. Die verheißene 'Pflegeleichtigkeit' war mal wieder daneben gegangen. Z.Z. wird eine Mode aus den 50ern mit Stauden mal wieder aufgelegt (Ehsen/Osnabrück). Hubert Grundler und Helmut Lührs, der auch Kürzung und Redaktion durchführte, haben das Ausmaß und die versteckten Wertschätzungen der Entwerferinnen und Pflegeabteilungen für Kassel aufbereitet.
Theresia Lucks zeichnet die Zerstörung der Straßenfreiräume und den modischen Wechsel der Verkehrsberuhigung in Bremen nach. Obwohl alles ganz zufällig ist, läßt sich auch eine geheime Systematik erkennen, die die städtebaulichen 'Leitbilder' wiedergibt.
Dieter Meermeier hat die 'Versaumung der Straßenränder', die nach Aufgabe der 'Grünland-Nutzung', der Herbizidung und der Mulchmahden der letzten zehn Jahre stattgefunden hat, pflanzensoziologisch belegt und vegetationsdynamisch interpretiert. Die biologistische Eroberung der Straßenränder durch absurde, arbeits-, material- und energieverschwendende Biotop-Pflegepläne als letzte Erfindung, wird an Beispielen und akademischen 'Gewährs'-texten kritisch diskutiert. Dieses neue 'Straßenbegleitgrün' besticht durch die ideologische Übereinstimmung mit den Vorwänden für das Straßenbegleitgrün in allen Varianten und zur Verkehrsberuhigung.
Mit Beiträgen von: Schürmeyer, B. und Vetter, C.A., sowie Boss, H. u.a.
Notizbuch
28
Die 'Freie Landschaft'?
(1993) DIN A 5, ca. 150 S.(248g) (5,00 Euro)
Vetter Ch.A. / Schürmeyer B.: Die Naturgärtnerei. Die Protagonisten der 'Naturgärtnerei' werden in dieser Arbeit auf ihre professionspolitische Verwertbarkeit und die antiprofessionelle Nutzerorientierung geprüft. Es kommt dabei heraus, daß die Kritik der Naturgärtnerei an der Grünplanung leicht wieder in Grünplanung und Gartenarchitektur umgemünzt werden kann und den Anlaß der Kritik, die mangelnde Brauchbarkeit, mit dem Fetisch 'Natürlichkeit' wieder professionell vereinahmt werden kann.
Vetter Ch.A. / Schürmeyer B: Die Landschaftsgärtnerei - Eine Analyse der Herstellungsprinzipien des Landschaftsgartens und ihre Anwendung in der Parkpflege. Die Herstellungsprinzipien des Landschaftsgartens verbieten eine 'naturgetreue' Regeneration nach dem Plan. Dies ist für den Barockgarten vielleicht denkbar, für den Landschaftsgarten jedoch ausgeschlossen, weil der Optimalzustand durch Pflege und kontinuierliche Eingriffe hergestellt und stabilisiert wird. Mit dem Optimalzustand beginnt der Neuaufbau der Szenen. Und diese müssen dann 'wandern': die Szene ist wichtig - nicht der genaue Ort, oder der Plan. Die Analysen und Thesen werden am Beispiel des Gesundbrunnenparks Hofgeismar praktisch ‘entworfen’.
Hans
Boss nimmt die eilige und vordergründige Faschismusdiskussion
auf, die nach
einer Art später Entnazifizierung versandet ist. Er stellt
dar, daß die
Verengung der Debatte auf die Verfehlungen einzelner Personen eine
Ablenkung
darstellt. Damit wird außerhalb politischer Stellungnahmen
und Optionen
einzelner Personen die Ingenieurtätigkeit entpolitisiert und
legitimiert.
Mit Beiträgen von Hülbusch, K.H., Auerswald, B., Lechenmayr, H., Sauerwein, B. und Zollinger,R.
Notizbuch
29
Gut gesät!
(1993) DIN A 5, 218 S. mit 2 farbigen Tabellen als Anlage (DIN A3). (298g) (9,00 Euro)
Den handwerklichen Fertigkeiten haben wir immer schon viel Aufmerksamkeit gewidmet. In diesem Notizbuch wird ein Aufsatz von K.H. Hülbusch - die einfachsten Regeln zum Krautern mit Unkraut (Das Gartenamt 1987) - drei Beträge von Birgit Auerswald - Pflege der Hochschul-Freiräume am Holländischen Platz/Erfahrungen der Gärtnerin/eine Reisebeschreibung über die Freiräume und die Vegetation am Holländischen Platz (Garten und Landschaft 1987) von Bernd Sauerwein und eine Prüfung der Lagerfähigkeit von Wildkraut-Saatgut von Heike Lechenmayr veröffentlicht. Die umfangreichste Arbeit schrieb Robert Zollinger. In 'Sät Freiräume' faßt er die freiraumplanerischen und handwerklichen Prämissen des 'Krauterns mit Unkraut' zusammen, kritisiert mit vielen Beispielen die marktkonforme 'Blumenwiesen - und Biotop-Mode' und führt im Hauptteil induktiv nach Oberdorfers 'Süddeutschen Pflanzengesellschaften' (II. Auflage) die vegetationskundlich-handwerkliche Zusammenstellung von Saatgutmischungen aus. In einem weiteren Beitrag vergleicht er die Wildkrautsaatgutmischungen des Marktes nach den Zufällen der Zusammensetzung und den Preisen.
Nach den Notizbüchern 2, 3 und 7 in denen Erfahrungen, Kenntnisse und handwerklich - planerische Verfahren für den gärtnerischen Einsatz der spontanen Vegetation zusammengetragen und gesammelt sind, werden in diesem Notizbuch weitere Ergebnisse und Beobachtungen mitgeteilt: Ansaat- Auflaufbeobachtungen, Keimfähigkeit älteren Saatguts, weitere Korn/Gramm-Gewichte, 'Regeln zum Krautern mit Unkraut', Erprobung im Gebrauch, ausführliche Darlegung der pflanzensoziologisch vegetationskundlichen Zusammenstellung von Ansaatmischungen. Eine Kartierung des Vegetationswandels von Ansaatmischungen folgt später.
Wie
im Notizbuch 21 sind hier wieder einige der spannenden
Prüfungsreden und
Debatten aufbereitet (redigiert) zusammengefaßt. Ein Grund
für die
'Prüfungsreden' besteht darin, die enthaltene Arbeit
für das Lernen und die
Lehre zu archivieren. Denn sonst sagt immer mal jemand: ‘Da
müßte es doch was
geben, da hat doch 'die' oder 'der' eine prima Prüfung
darüber gemacht’!
Notizbuch
31
Pater Rourke's semiotisches Viereck. Acht vegetationskundliche
Beiträge zur
Landschaftsplanung
(1993) DIN A 5 / 220 S. (314g) (9,00 Euro)
Die Pflanzensoziologie ist mit den Aufträgen der Naturschutzadministration ins Fahrwasser floristisch-ökologischer Kurzatmigkeit manövriert worden. Die ehemals offen und relativ unzensierten Periodika für die Veröffentlichung pflanzensoziologischer und vegetationskundlicher Arbeiten werden heutzutage im Sinne von Hofberichten und Werbeschriften redigiert und eingesetzt. Bei der Zurückweisung von Beiträgen wird nach altbekannter Manier i.d.R. der Stil - was immer das sei - zum Vorwand genommen. Zum Beweis haben wir ein Schreiben von D. Kornek (Bundesamt f. Naturschutz und Landschaftsökologie) an E.J. Klauck - nachrichtlich an Prof. Dr. H. Dierschke und Prof. Dr. E. Oberdorfer verteilt - abgedruckt. Ernst und kabarettistisch - also wieder mal stilverletzend - geht H. Lührs in seiner einleitenden Lesehilfe zu den Beiträgen auf dieses Denkmal ein.
Nun, E.J. Klauck legt systematisch wohl begründet und vegetations- /landschaftskundlich verstehend interpretiert den Vorschlag für die Klasse der Mädesüßfluren -Lythro salicarii-Filipenduletea ulmariae Klauck 1993 - vor. Lange, mindestens seit 1968/69 bedacht und immer wieder überlegt, führt der Autor den Nachweis, daß die hygrophilen Säume (Passarge, H.) ein Randphänomen ehemaliger Flächengesellschaften darstellen. Den Beweis dafür liefern die Versaumungen der Filipendulionbrachen, die aus anderen ökonomischen Gründen kurzzeitig vorführen, was vor der Zurückdrängung auf die Säume über lange Zeit stabiler Bestand der Landnutzung war: Streuwiesen.
H. Lührs kommentiert diesen Sonderfall über 'die Vegetation als Indiz der Wirtschaftsgeschichte'. Dabei erläutert er - gleichzeitig die Disziplingeschichte der Pflanzensoziologie und der Vegetationskunde resümierend - was aus der Vegetation kundig interpretiert über den Verlauf der Wirtschaftsweise verstanden werden kann. Das ist allerdings nur möglich, wenn die Pflanzensoziologie als Hilfsmittel der (abstrakten) Abbildung des Gegenstandes und Mittel des synthetischen Vergleichs genommen wird, statt orthodox und normativ selbst zur 'Natur' erklärt zu werden. In der Dissertation des Autors, die im Notizbuch 32 erschienen ist, ist diese Beweisführung am Beispiel von 'Grünland' und 'Grasland' ausführlich dargelegt.
A.W. Horst und K.H. Hülbusch legen die 'methodenkritische' Überarbeitung einer grünlandsoziologischen Diplomarbeit aus Göttingen vor. Der Behauptung, daß grünlandsoziologische Untersuchungen ohne die Befragung der Bewirtschafter unmöglich seien, läßt der Autor eine Ordnung der Tabelle nach Befragungsergebnissen folgen. Dagegen weist die soziologische Gliederung der Aufnahmen, die mühselig im nachhinein erstellt wurde, sehr schöne Differenzierungen der Gesellschaften auf. Sie stimmt statistisch mit den Angaben der Bewirtschafter sehr viel plausibler überein und übertrifft die Logik der Konstruktion. Nun was kommt heraus?: ganz schlicht ein Stickstoff-Düngegradient, der gleichzeitig die 'vorgeleistete Arbeit (Tüxen, R.) der Pflanzensoziologie und der Vegetationskunde wieder brauchbar macht.
Heike Lechenmayr weist in ihrem Beitrag auf die Analogie zwischen Queckengrasland und städtischen Rasen hin. Die Pflegeextensivierung, unter dem Stichwort 'Ökologie' verkauft, hat die Scherweiden (Festuco-Crepidetum) in Queckenintensivbrachen verwandelt. Wer hätte schon erwartet, daß so gegensätzliche Absichten wie Grünlandintensivierung und Scherweidenextensivierung pflanzensoziologisch und vegetationskundlich zu analogen Ergebnissen führen. Und das ganz ohne Befragung.
H.Lührs fügt mit dem Erodio-Senecionetum vernalis Lührs 1993 die Neubeschreibung einer Assoziation mit Autobahnverbreitung (im Oberrheintal) und Herkunft auf subkontinentalen Brachäckern bei. Eine Gesellschaft, der bisher geflissentlich aus dem 'Wege gegangen wurde' - wie die Übersichtstabelle des Spergulo-Erodion (Tüxen, R.) erweist.
Neue Gesellschaften zu beschreiben ist eine durchaus anstrengende aber auch vergnügliche Arbeit. Sie setzt voraus, daß der/die BearbeiterIn auch Sorgfalt gelten läßt. Das kann für die von Gödde (1987) neu beschriebene Assoziation des 'Spergulo Herniarietum' leider nicht gelten. K.H. Hülbusch holt die Tabellenvergleiche nach und kann beweisen, daß das 'Neue' schon längst bekannt ist. Das ist, selbst wenn es ohne Absicht geschieht, eine unnötige Verwirrung des lieben Publikums.
Diese betreibt absichtsvoll D. Meermeier mit einer Tabelle von AckerBrachegesellschaften. Die Tabelle, schön gegliedert und differenziert, läßt sich dem bekannten Wissen folgend hinsichtlich der Intensität der Vornutzung prima interpretieren. Und dann klärt der Autor auf und weist darauf hin, daß alle Aufnahmen auf einem Acker gesammelt wurden. Was nur den Schluß zuläßt, daß die soziologische Differenzierung in diesen Fällen nicht wirtschaftsbedingt, sondern standorts- / substratabhängig zu verstehen ist. Also wieder einmal ein Beispiel für den Wechsel der Interpretation zwischen analogen und homologen Bedingungen. Dazu ist immer noch Thienemanns 'Leben und Umwelt' ein vorzüglicher Führer.
Wie angekündigt ist das Notizbuch 31 mit vegetationskundlichen Beiträgen gefüllt, in denen die Pflanzensoziologie ein kluges Mittel der Abbildung und Beschreibung, des Vergleichs und der Typisierung und nicht des normativen Beweises ist.
Notizbuch
32
Die Vegetation als Indiz der Wirtschaftsgeschichte
- oder Von Omas Wiese zum Quecken-Grasland - und zurück?
(1994) DIN A 5 / 210 S. + Tabellenbändchen. (396g) (9,00 Euro)
1985, im 1. Notizbuch der Kasseler Schule ist das 3. Notizbuch folgendermaßen angekündigt:
'Von Opas Wiese zum Queckengrünland und zurück - Die Entwicklung des Wirtschaftsgrünlandes und die Möglichkeiten der qualitativen Regeneration'. Was damals so kurz vor der Fertigstellung und weitgehend geklärt schien, erwies sich bei näherem Hinsehen und in der Durchführung doch anspruchsvoller und langwieriger. Es waren nicht nur noch die eine oder andere Arbeit erforderlich, um das moderne Gras-Acker-Land abzubilden. Wichtiger war es, über das Pänomen hinaus, für den Vorgang und den Kontext das Verständnis und die Begriffe zu formulieren, damit "am Beispiel des Wirtschaftsgrünlandes und der GrasAckerBrachen die Vegetation als Indiz der Wirtschaftsgeschichte" erzählt werden kann.
In seiner Dissertation stellt H. Lührs zunächst eine stark synthetisierte Übersicht der Naturausstattung der Gras-Futterflächen für Paarhufer-Wiederkäuer vom Nardo-Galion bis zum Agropyro-Rumicion mit einer ausführlichen Erörterung der Verbände und ihrer verbreiteten (wichtigen) Assoziationen in den Vordergrund. Dieser empirische Beweis des Gegenstandes, über den Aussagen gemacht werden sollen - so unerläßlich er ist, weil damit eine chronologische und chorologische 'Gebietsmonographie' vorgestellt wird - dient der Nachzeichnung des Industrialisierungsvorgangs in der Futtererzeugung. Mit jeder Modernisierung wird das Wissen der Bauern zerstört (s. Berger J., Imfeld A., Mandel E., Benholdt-Thomsen V., Gronemeyer M., Groeneveld S. u.a.) und die Abhängigkeit erhöht. Die Klärung der Rolle der 'Wissenschaften' bei der Durchsetzung der Industrialisierung führt zur Darlegung einer Wissenschafts- und Disziplingeschichte der Grünlandforschung, der Pflanzensoziologie und der Landschaftspflege, der die Aufmerksamkeit der Vegetationskunde und der Landschaftsplanung gegenübergestellt wird. Der wissens- und methoden-(wissenschafts)-theoretische Teil der Arbeit, der die Einsichten ermöglicht und begründet, hält eine exzellente Diskussion und Reflexion zur 'Logik wissenschaftlicher Arbeit' in der Landschaftsplanung (i.e.S.) bereit.
Zur Warnung sei hinzugefügt, daß Naturschützer und Biotopisten sich den Erwerb dieser preiswerten Veröffentlichung sparen sollten, weil der Faktenpositivismus nur kritisiert vorkommt - wie denn auch wissenschaftsdesignte Technikmätzchen vollkommen fehlen. Für alle, die etwas übers Grünland - von der Hute bis zu wirtschaftsbedingten Flutrasen - verstehen wollen, sich auch auf literarische Funde, Kenntnisse, 'politische' Einsichten und eine spannende Nachdenk-Literatur einlassen wollen, sei dieses Notizbuch nachdrücklich empfohlen.
Mit Beiträgen von Bäuerle, H., Mang, H., Ring, W., Stapel, B. u. Troll, H.; Schürmeyer, B.; Hülbusch, K.H., Koch, J. u. Kreikenbaum, H. sowie Hülbusch, K.H.
Notizbuch
33
Vom Regen in die Traufe
(1994) DIN A5.316 S. (426g) (12,25 Euro)
Dieses Notizbuch ist fast eine Bremensie. Den Titel lieferte in übertragenem Sinne das Gutachten für den Senator für Umweltschutz und Stadtentwicklung (Bremen) zur 'Verwendung des Niederschlagswassers in der Stadt'. Dieser modische Auftrag, so erwartet der Auftraggeber, gehört zum jüngsten Kapitel der Geschichte des Wassers in der Stadt, die A. Corbin so treffend nachgezeichnet hat. Der 'Entwässerung' der Stadt soll nun die 'Bewässerung' folgen, um auch an dieser Stelle den administrativen Zugriff auf private Entscheidungen zu erhöhen und darüber gleichzeitig eine weitere Zentralisierung des Wohnungsbaus sowie Enteignung des Gebrauchs städtischer Freiräume durchzusetzen (s. Veröffentlichungen 1992/93 - Gartenamt und Garten + Landschaft). Tümpel, Versickerung, Entsiegelung schweben unter der Fahne 'Ökologie' daher und verkünden wieder einmal die Mähr von der demonstrativen Verschwendung als Leitbild der Grüngestaltung.
Dagegen geht das Gutachten auf den praktischen Gebrauch des Niederschlagswassers ein und untersucht am Beispiel charakteristischer Siedlungstypen und zugehöriger Bauformen - 'Vom Reihenhaus zur Mietskaserne' - die Gebrauchsmöglichkeiten des Niederschlagswassers bei minimalem Installationsaufwand zum Hinweis auf die Möglichkeiten der Wassersparsamkeit bis hin zu den Sparmöglichkeiten bei Kanalisationen und Wasserklärung. Ein aufregender Beitrag, der vom Beispiel vorhandener Siedlungs- und Bauformen auf die Planung angewandt werden kann, wenn die Überlegungen und Vorschläge vom Straßen- bis hin zum Hausbau, von der Kanalisation bis zum Klärwerk, von der Mischkanalisation bis zur Trennkanalisation nach den Kosten nicht für die 'Natur' sondern für den einzelnen Haushalt von der Familie bis zur Kommune auf Sparsamkeit überprüft werden. Bürokratische Übertreibungen nach denen jetzt in Bremen Straßen nur noch nach der Versickerung und ohne Freiraumplanung (Morphologie und Zonierung) durchgesetzt werden sollen, gieren nach der Entsiegelungsmode und haben das Gutachten mal wieder nicht verstanden. Der Senator hat nach anfänglichem heftigem Widerstand den Gedanken übernommen und inzwischen immerhin 500 Sonderdrucke der Arbeit aus dem Notizbuch bestellt.
Bernd Schürmeyers Beitrag stellt zusammenfassend ein Gutachten vor, in dem der Unsinn des Biomüllkompost-Transports nach Schmeiskys Witzenhäuser 'Zentralisierungsmodell' auf dem platten Land geprüft wird. Auch hier begegnen wir einer Mode, die aus dem Widerspruch gegen die Verschwendung und die Reichtumsplakette 'Menge' eine technisch-bürokratische Vorwandlösung auf den Schild hebt. Die Ablehnung zum Druck dieses Beitrags vom Gartenamt bis zur Alternativen Kommunalpolitik (in Faksimile beigefügt) sind der Ausweis für den bürokratischen Totalitarismus.
Das
Gutachten zur Freiraumplanung der Universität Bremen von 1973
landete damals in
der untersten Schublade des zuständigen Schreibtischs, von dem
der Schlüssel
dann weggeworfen wurde. Es ist einerseits ein Zeitdokument und
andererseits ein
Dokument für die Plausibilität der planerischen
Prognose und die administrative
wie politische Unfähigkeit, einen Gedanken gegen die Mode zu
prüfen. In diesem
Gutachten sind auch viele Fundstellen für
Überlegungen enthalten, die später
dann sorgfältig und ausführlich mit vielen Einsichten
erweitert formuliert
wurden und in den Notizbüchern immer weiter verfertigt
vorgestellt werden. Eine
Reminiszenz zu diesem Gutachten - 20 Jahre später von K.H.
Hülbusch zeichnet
die Auftragssituation nach und beschreibt das tatsächlich
realisierte Dilemma
der 'realisierten' Entwürfe, zu denen fast täglich
neue bahnbrechende Therapien
propagiert werden; so ein Stückchen Planungskriminalistik nach
der Prognose des
Mordes - die Täter sind beliebig und allseits anerkannt.
H.Böse-Vetter (Red.) Mit Beiträgen von K.H. Hülbusch u. H. Lührs; B. Schwarze; K. Protze; K.H. Hülbusch, J. Knittel u. A. Wegmann sowie H. Lechenmayr.
Notizbuch
34
Pflegefälle
(1995) DIN A 5 / 216 S. 1 Tabelle. (298g) (9,00 Euro)
Die einleitenden Beiträge verhandeln einen Text zu einem IBA-Streitbuch, der den Auftraggebern dann doch zu streitbar war und deshalb in den Status eines persönlichen Angriffs erhoben wurde, sowie eine Betrachtung des Dorfrandes nach landschaftsplanerischer Manier kriisiert und richtig gestellt nach den Prinzipien der sozialen Ausbildung von Rändern, und eine Prüfung der 'frauenspezifischen Planung' auf Indizien des klassischen Entwurfs mit emanzipatorischem Etikett.
Die Pflegefälle sind an zwei Beispielen verhandelt. Ein Gutachten für das Reinigungsamt der Stadt Kassel - ein Pendant zum Notizbuch 17 / 'Pflege ohne Hacke und Herbizid' für das Gartenamt der Stadt Kassel - untersucht die Voraussetzungen und Folgen für die Pflege 'vegetationsfähiger Straßenfreiräume'. Neben praktischen Handreichungen für die Arbeit der Straßenpflege, die zur Vermeidung unnötigen Aufwandes leicht zu übertragende und zu lernende Hinweise zum Vegetationshandwerk (s. Auerswald, B. Notizbuch 29) vermittelt und den Straßenreiniger in den Stand des Vegetationskundlers setzt, werden die vielen Fälle aufgeführt, bei denen die Herstellung die Folgen für die Pflege unberücksichtigt läßt. Darin ist auch die Aufforderung enthalten, daß die Stadtreinigung ihren Einfluß auf die Herstellung der Straßenfreiräume geltend machen muß, damit die Arbeit nicht überhand nimmt und trotzdem immer erfolglos bleibt.
Heike Lechenmayr stellt die Folgen der Verwahrlosung bzw. 'Ruderalisierung' der städtischen Scherweiden durch eine schematisch reduzierte Pflege dar. Pflanzensoziologisch ist dieses Phänomen in Kassel zunächst im Vergleich zwischen den Scherweiden-Aufnahmen von Kienast (1978) und den heutigen Quecken-ScherweidenBrachen zu beweisen. Mit Verweis auf die ältere Literatur bis hin zu Pückler-Muskau kann die Autorin vegetationskundlich stichhaltig begründen, daß in diesem Wandel die Zerstörung der Gebrauchsqualität und der gärtnerischen Handwerkskenntnis gleichzeitig zum Ausdruck kommt.
Pflegefälle
- die Brauchbarkeitspflege ist eine notwendige Arbeit, ohne die kein
Gebrauch
auf Dauer möglich ist. Aus der Pflege werden Fälle
hergestellt, wenn sowohl die
Herstellung der Gebrauchsgegenstände wie die Pflege
außerhalb der bekannten und
bewährten Bedingungen des Gebrauchs entworfen wird, statt
darauf hin bedacht zu
werden.
H. Böse-Vetter u. K.H. Hülbusch (Red.)
Notizbuch
35
SchauDerGärten - Nachlese zur Gartenschaukritik
(1995) DIN A5. 324 S. (436g) (12,25 Euro)
In einer Nachlese zur Gartenschaudebatte wollen wir mit vielen veröffentlichten Arbeiten (auch Kurzfassungen) zu Kassel und Frankfurt sowie einigen unveröffentlichten Arbeiten zu Berlin (Neumanns Pflegeplan) zu Fulda (Landesgartenschau - hier Werbeauftrag), zu den Rechtfertigungen (Grebe, Chevallerie u.a.) sowie einer kommentierenden Einschätzung letztmalig auf den berufspolitischen 'Propaganda- und Vertuschungsfeldzug' eingehen und uns davon beschäftigen lassen. Wir brauchen den Rückbauschwachsinn a la Frankfurt weder bezahlen noch vertreten - und verdienen wollen wir daran auch nichts.
Manches muß auch zum Abschluß gebracht werden. Dazu gehören die Gartenschauen, die jetzt mit den Landesgartenschauen wie eine Epidemie das Land überziehen. Kassel mit einer Zustandsprüfung und einem Verheißungsvergleich (1981-1988) macht den Anfang. Frankfurt, eine Zusammenfassung der Untersuchung von 1981, die aufgeregten Beschimpfungen der Verbände und zwei nachlesende Beiträge zum Gartenschaujahr 1989 folgen. Berlin (1985) wird am Pflegeplan und den Vorwandswechseln der professionellen Schönredner aufgespießt. Die Landesgartenschauen werden dem Prinzip nach geprüft. Ein einleitender Text zum Hafenpark Saarbrücken und ein abschließender Text zur 'Biotopgestaltung' zeichnen die Gartenschau als Leitbild der Grünplanung nach. Ein Vorbild zur Pathogenese der Grünplanung weist auf die gut zweihundertjährige Absicht der grünplanerischen Nutzlosigkeit hin.
H. Böse-Vetter u. K.H. Hülbusch (Red.)
Notizbuch
36
Alles Quecke...
(1995) DIN A5 / 292 S. (416g) (10,75 Euro)
Die 'Militarisierung des Landbaus' wollten wir dieses Notizbuch zunächst nennen, weil sowohl die Chemisierung, die Mechanisierung und die genetische Manipulation aus den Retorten der Kriegs- und Militärforschung stammen und die Einführung in den Landbau entweder den Kuppelprodukten (Abfall wie z.B. Thomasphosphat) oder der Überproduktion bzw. in Nicht-Kriegszeiten der Auslastung der Produktionsanlagen (z.B. Stickstoff, Herbizide, Schlepper) anzurechnen sind. Die vielgepriesene 'Konversion' verlagert nur den Kriegsschauplatz und spielt dort Schafspelz.
Mit Arbeiten von Bernhard Ledermann über 'Etappen und Folgen der Grünlandintensivierung' sowie 'Brachephasen in der Wirtschaftsgeschichte' und Bernd Gehlken 'Von der Bauerei zur Landwirtschaft' wurden verschiedene Erscheinungsformen der vollständigen Nivellierung des Trophieniveaus und der Durchsetzung der Gras-Acker-Brache (s. Lührs, H. 1994) nachgewiesen. Die 'Programmbrachen' sind dafür ein überzeugender Beweis, dem die Seilschaft aus Agrarpolitikern, Agraradministration und Naturschützern gerne einen grünen Kittel umhängen möchte.
Bernhard Ledermann führt nach der Recherche zur Thomasphosphat- und Stickstoff-Werbung am Beispiel des Grünlands und der Viehhaltung in der Gemeinde Oberstreu (Bayrische Rhön) die 'Etappen und Folgen' der Intensivierung der Bodenproduktion sowohl am Bestanswandel der Vegetationsbestände wie am Wandel der Viehbestände auf:
"Wo man nun aber lauter greisete Kühe haben will, da ändert sich das ganze Verhältnis, das Bleibende muß einem beständigen Wechsel weichen, denn der Kühe Natur, Liebe und Fruchtbarkeit lassen sich so wenig nach den Käsereien regeln als das Gras" (Gotthelf, J. 1850 /1978 - Die Käserei in der Vehfreude: 72)
Daß die Äcker latente Gras-Acker-Brachen sind, kommt heraus, wenn die ProgrammBrache zuschlägt. Ingrid Bauer weist mit vielen Aufnahmen von ProgrammBrachen die Zugehörigkeit der Brachvegetation der üblichen trophierten Äcker zur Initialphase des Queckengraslandes nach. Die Prophezeiungen der Naturschützer, die von den Brachen eine artenreiche und bunte Vegetation erwarteten, ist wieder einmal nicht bestätigt worden. Im Beitrag über die 'Brache in der Wirtschaftsgeschichte' stellt die Autorin klar, daß die 'Flächenstillegung' absichtsvoll mit dem Begriff 'Brache' hausiert, um der administrativ finanzierten Entwertung der Ernte den Heiligenschein einer arbeitsökonomischen Überlegung zu verleihen. Die Brache, genauer betrachtet, ist ein Phänomen das von der Bodenvorratswirtschaft in der Bauerei mit wandernder Arbeitsinvestition bis zur Programmbrache in der Landwirtschaft mit flächenhaft gleicher Wirtschaftsintensität nur über den Kontext verstanden werden kann.
Im
Beitrag von Bernd Gehlken über den Vegetations- und
Wirtschaftswandel im
Stedinger Land wird an einem Ort, für den Vegetationsaufnahmen
aus dem Jahre
1937 vorliegen, über die Verqueckung hinaus der vorausgesetzte
bzw. angenommene
Wandel von der 'Bauerei zur Landwirtschaft' nachgewiesen. Wie schon an
anderen
Orten beobachtet (Collage Nord / Landschaftsplan Stade) fällt
auch in Stedingen
auf, daß die 'Landwirtschaft' die bevorzugten Standorte von
den naturbürtig
weichen zu den leicht manipulierbaren Flächen wechselt: Hier
also von der hohen
Marsch, über die Niedere Marsch zum Niedermoor.
Notizbuch
37
Blockrand und Stadtrand
(1995) DIN A 5 / 332 S. (462g) (12,25 Euro)
Der
Stadtrand ist eine ohnehin schwierige Situation, solange er nur
geographisch
vom Zentrum zur Peripherie begriffen wird. Eine vollkommen
irreführende oder
irre geführte Beobachtung steckt darin, die vorerst
präziser immer noch in der
Nachbereitung des PlanerInnenseminars Miltenberg 1992 verhandelt ist.
Die
Beiträge von Rainer Möller und Claudia Schneider -
'Die ökonomische Erweiterung
der Stadt' -, von Katrin Bekeszus - 'Ein Plan von Kirchditmold' - und
Bernd
Schürmeyer - 'Freiraumrahmenplanung für den
nördlichen Stadtrand von
Großalmerode' - gehen implizit auf die Diskussion des
'Stadtrandes' und seine
Be- bzw. Mißachtung bei der Siedlungserweiterung ein. In
diesen Arbeiten wird
dargelegt, daß die Beachtung oder die
Vernachlässigung der Hufensiedlung
praktische und kommunalökonomisch weitreichende Folgen
zeitigen. Reto Mehli -
'Der Baublock- wiederentdeckt und doch verwirrend neu' - führt
an Aufnahmen von
Baublöcken aus Zürich eine Systematik der
Baublöcke durch, die Typen und Variationen
der Baublöcken mit charakteristischen Merkmalen der
Organisation nachweist und
in Prinzipskizzen anschaulich macht. Dazu führt der Autor eine
üppige
literarische Kommentierung durch. Ein Gedanke ist, wie weitere
Überlegungen zum
Baublock anregten und in den vorgenannten Arbeiten dieses Notizbuchs
ausgeführt
wurden, dabei vernachlässigt worden. Was wir heute sehen
können ist ein
Baublock oder im modernistischen Extremfall eine Blockrandzeile. Das
'verwirrend Neue', auf das auch Georges Moes mit seinem Beitrag -'Neue
Gründerzeit' - hinweist, besteht darin, daß der
klassische Block aus
Hufenerweiterungen hergestellt wurde und der moderne Block von der
Fläche her
inszeniert wurde. Die Hufenerweiterung hat die Straße zum
Ausgang, an deren
Rand gebaut wurde. Der Block ist ein sekundäres
Phänomen. Der verwirrend neue
Block erklärt die Straße zum Rand, weil von der
arrondierten Fläche her gedacht
wird. Deshalb kann in einem solchen Block auch auf die Straße
verzichtet
werden, weil die Zeile, unabhängig von der Aufstellung der
Gebäude, und die
arrondierte Fläche dem Entwurf zur Grundlage dienen. Der
Verwirrung kommen wir
nach, wenn wir den Blockrand nicht mehr glauben, weil die Erscheinung
in einem
Fall sekundär im anderen primär ist. Die Mitte der
Hufensiedlung ist die
Straße, gegenüber stehen sich zwei
Häuserreihen. Die Grenze oder der Rand
dieser Hufen liegt auf der Rückseite - also da wo die
Rückseite der Hufe einer
anderen Straße angrenzt. Die 'Verwirrung' liegt an einer
Stelle der
begrifflichen Vereinnahmung, die wir bisher noch nicht verstanden,
durchschaut
hatten. Christoph Theiling resümmiert über das
Studium und die darin
enthaltenen Widersprüche und Verwirrungen mit der Metapher des
Reihenhauses,
also der Hufensiedlung, die dem Block (oder dem Bündnis) der
emotionalen
Vereinnahmung gegenübersteht.
Ma Elena Granda Alonso u. K.H. Hülbusch (Red.)
Notizbuch
38
StadtBaumSchule oder Vertrauliche Mitteilungen über
Bäume
(1996) DIN A5 / ca. 348 S. (468g) (12,25 Euro)
Seit dem Notizbuch 1, das vor über 10 Jahren erschienen ist, haben wir durch Beobachtung und praktische Arbeit die damals dargestellten Arbeitserfahrungen präzisieren und wesentlich erweitern können. Auch hier stehen die '7000 Eichen' von Joseph Beuys im Hintergrund, weil nach der Pflanzung vor allem die sträflich vernachlässigte Fertigstellungspflege für den Zeitraum von zwei bis acht / zehn Jahre nach der Pflanzung durch Vergleich mit alten Bäumen und nachahmende Durchführung zu lernen war. Die völlige Unkenntnis dieses Arbeitsschritts, die totale Unfähigkeit diese Arbeit durch schlichte Überlegung nachzuvollziehen, ist vom Gartenamt bis zu professoralen 'Praktikern' mit hier nachzulesenden wütenden Angriffen und Unterstellungen begleitet worden. Ma Elena Granda Alonso hat dazu eine Arbeit verfaßt, in der viele ältere Bäume miteinander verglichen und nach ihrem 'Lebenslauf' beschrieben werden. In einer daraus abgeleiteten Reihe stellt sie generalisierend den Lebensweg der verschiedenen Altbäume von der Pflanzung bis zur Gegenwart dar. Erschwerend ist die geringe Menge gut 'erzogener' und gealterter Stadtbäume gegenüber der Dominanz von grünamtlicher Willkür und Unfähigkeit, wie wir sie jeden Tag an Beuys-Bäumen beobachten konnten. Wie denn alle Arbeiten mit und an Bäumen in den Städten (und auf anderen Baustellen) in einem desolaten Zustand sind und nur gelegentlich (meist zufällig) geraten.
So haben wir dann durch Beobachtungen des Zuwachses von Bäumen nach der Pflanzung, wozu für die Beuys-Bäume sorgfältige Pflanzprotokolle vorlagen, weitere Einsichten in 'Pflanzfehler' (i.w.S.) gewonnen. Auch dazu hat Ma Elena Granda Alonso eine Arbeit verfaßt, die unsere Aufmerksamkeit anregte.
Mit Anektoden, vor allem aber mit einer üppigen Anzahl von Auswertungen 'zufälliger Experimente' können wir in vielen kleinen Beiträgen Beweise für die gärtnerisch solide und erfolgreiche Baumpflanzung und Baumerziehung aufführen. So ist denn eine Neufassung der 'Regeln zur Baumpflanzung', die das Arbeitsprotokoll des Notizbuches 1 ablösen, vorbereitet. Darin sind ohne weitere Erläuterung - oder nur im Ausnahmefall - die Regeln präzise ausgeführt und alle Zugewinne an Erfahrung eingeführt.
Damit
es nicht in Vergessenheit gerät: unsere Überlegungen
dienen der Herstellung
wüchsiger und alterungsfähiger Baumpflanzungen.
Dagegen wird innerprofessionell
seit gut 30 Jahren vehement der 'Behandlung' der Bäume eine
lukrative
Aufmerksamkeit gewidmet. Dem propagandistischen Hoch vor zehn Jahren
haben R.
Grothaus, G. Hard und H. Zumbansen 1988 einen mächtigen
Dämpfer versetzt, den
wir hier zur Erinnerung abdrucken. Denn nicht nur in den 'neuen
Ländern' geht
die Schlacht der Baumsanierung weiter und ist jeder Baum
spätestens 5 Jahre
nach der Pflanzung sanierungsreif.
mit Beiträgen von Anette Hohagen und Katharina Hülbusch
Notizbuch
39
Himmel und Hölle - Das Gartenmotiv im Märchen, und
Kindermalerei auf der Straße
und einigen Ergänzungen aus älteren Texten.
(1996) DIN A5 / ca. 170 Seiten. (264g) (7,25 Euro)
Das Gartenmotiv im Märchen, dem man leichtsinnig einen Katalog netter Accessoires für die postmoderne Grünkunst wie z.B. Dornröschenschlösser zumuten könnte, nimmt die LeserIn auf eine Reise durch ein fremdes Land mit. Die 'Motive', die leichtfertig und oberflächlich zur Kopie reizen, sind neben jedem Weg zu finden, wenn wir den Kontext hineinlesen und bei der Vorstellung der imaginären Realität bleiben. Die Moral ist die Moral der Geschichte. Die Geschichten können nicht gebaut werden. In jedem kannonischen Garten finden wir die Metaphern, mit denen die Märchen komponiert sind. Und trotzdem sind Gärten weder gebaute noch imaginäre Märchen. Denn Märchen sind sinnbildhafte Erklärungen, die leider - wie die Grimms vorgefürt haben - auch eine klammheimliche Verwendung und Anpassung des Sinns ermöglichen. Gärten dagegen sind dem Kanon des Gebrauchs, in dem offenbar auch Sinnbilder enthalten sind, gedient.
Dieser Reise durch die Märchen-Bilder folgt eine solche durch die Kinderbilder auf der Straße. Wir begegnen hier der Selbstversicherung der HeldIn, der imaginären Bedeutung der Darstellungen, der Personen, der Grenzen - einer Welt, der die Zeichnung Ausdruck gibt, die weder real noch in der Vorstellung der Kinder ist. Die ErzählerInnen, die Kinder führen ein Gespräch mit der Welt, folgen dabei verschiedenen kanonischen Reihen. Die Abbildungen geben nicht nur die Fähigkeit, die Vorstellung in Zeichnungen wiederzugeben kund - sie zeichnen auch, was die Kinder schon verstehen und welche Erklärungen sie dazu bedenken. In den Zeichen- und Hüpfspielen treten dazu auch magische Rituale und Zahlen in der Kinderzeichnung auf, die jetzt Regeln übernehmen und in die Spiele einführen. Wie im Märchen archetypische Konstellationen für das Verständnis und die Botschaft der Erzählung unerläßlich sind, so brauchen Kinder in der Realsituation kanonische Situationen, damit sie ihre Geschichten 'malen' können: ein Stück Straße für mich allein, oder etwas Freiraum.
Die
Einleitung zu einer Projektarbeit über die
'Freiflächen des Vorderen Westens'
(I.M. Hülbusch u. U. Läsker-Bauer 1977/78) ruft noch
einmal die
Feldabhängigkeit und die 'vaterlose Gesellschaft' in
Erinnerung. Eine
Besucherbefragung - eine schöne Anektode gegen Soziologismus -
zeigt, wie
hilflos die Befragten sind, wenn ihnen keine Auswege gelassen werden.
Notizbuch
40
Freiraum und Vegetation
(1996) DIN A5 / 428 Seiten. (572g) (12,25 Euro)
In der Normalarbeit geht, wenn man nicht aufpaßt, sehr bald die Neugier und damit die Fähigkeit des Wissens verloren. Deshalb ist es hilfreich, gelegentlich daran zu erinnern und einen Text zu schreiben, der nicht ausschließlich der Normalarbeit und dem Alltagsärger gedient ist, sondern diesen reflektiert, dem damit abhilft und gleichzeitig das Gespräch mit dem 'Wissensvorrat der Diziplin' - sozusagen ein stiller Partner in der Situation - wieder explizit aufnimmt. Auch die imaginäre LeserIn, der ich meine Geschichte und die Einsichten daraus erzähle, fordert die sorgfältige und vollständige Darlegung der Begebenheit und der Lehren; allerdings nicht so, wie der bürokratische und praxologische Vorwand, der aus einer Begebenheit eine privatistische Anektode mit endgültigem Beweis macht, statt daran den klügeren Weg zu klären: die Moral von der Geschicht. E. Panofsky hat einen süffisanten Text zur 'Verteidigung des Elfenbeinturms' geschrieben. Gelegentlich von der Arbeit, aus dem Gewühl zurückzutreten, Distanz zu gewinnen und die Situation des kritischen Beobachters einzunehmen zur sorgfältigen Abbildung des Gegenstandes, der Arbeit und der Interpretation des Ereignisses oder Ertrages.
Je
nach Arbeitssituation, drängenden Fragen oder Abbildungs- /
Beschreibungsnotwendigkeiten sind Arbeiten zur Freiraumplanung -
Sozialpsychologie (s. Walzer, M 1993), kommunalen und privaten
Organisation,
Reihung und Zonierung, materiellen Herstellung, Ausstattung und
Alterungsfähigkeit - zur handwerklichen Planung und
Ausführung - spontane
Vegetation, wassergebundene Decken, Ökonomie der
Materialverwendung, Bäume/
Pflanzung, Herstellung und Fertigstellung - zur Naturausstattung -
städtische
spontane Vegetation, Pflegevegetation, Vegetation der Bauernwirtschaft,
Vegetation der Landwirtschaft - oder zur Landschaftsplanung in diesem
Notizbuch
zusammengetragen. Die Kritik der Grünplanung und der
Landespflege läuft
angedeutet oder explizit neben dem Strom der Diskussion nach der
interpretatorischen Gewährsliteratur, also Literatur und
Botschaften, von denen
es etwas zu verstehen, einzusehen gibt, mit. Eine Sammlung von
Beiträgen, die
viele Arbeiten aus der Kasseler Schule aufnehmen, zusammenfassen und
fortführen. Hinzu kommen noch einige Übersichten zu
Veröffentlichungen,
Kompaktseminaren, PlanerInnenseminaren und anderen 'Einrichtungen' der
AG
Freiraum und Vegetation.
Notizbuch
41
Die Gartenstadt Neu-Siebethsburg in Wilhelmshaven
(1996) DIN A5 / 85 Seiten. (146g) (3,50 Euro)
Die Autorin zeichnet das Programm und die Planung des Architekten Fritz Höger, der u.a. das Chilehaus in Hamburg (1922-24), den Hannoverschen Anzeiger (1927) baute, mit Skizzen, Zeichnungen und vielen Originalzitaten nach. Neben Geschoßwohnungsbau aus kurzen, straßenorientierten Zeilen ist eine üppige Grünplanung, die ‘der Siedlung Vollendung bis zum letzten geben soll’ ausgeführt:
„Die Blumenanlagen, die Hecken und die Umpflanzung der Wäschetrockenplätze und die vorbildliche Anlage der Gärten, nicht nur der Blumengärten, sondern auch der Nutzgärten mit Sitzplätzen überall und aller Art,...”(Höger, F. 1934)
Wie die Originalzitate den Entwurf zeitgetreu begleiten, so begleitet die Grünflächen die Obacht, die Kommentare und die Vorschriften der Genossenschaftsverwaltung. Neben den Kosten wird vor allem die Vorhaltung des Grünflächenentwurfs verhandelt. Die Mietergärten - offiziell in Hausgärten umgetauft - finden hinsichtlich Aufsicht und Reglement besondere Beachtung zur ‘Schaffung und Bewahrung eines harmonischen Gesamtbildes’. Diese Absicht steht bei der ‘heutigen Nutzung’ immer noch im Vordergrund, weil so weit wie möglich der ‘Entwurf’ aus der Entstehungszeit beibehalten werden soll. Die dauernde Mühe an die Eröffnung, an die vermutete Originaltreue macht das Alter der Siedlung zwar nicht übersehbar, verhindert aber die Alterung, die Patina, die durch Gebrauch hergestellte Veränderung.
Die solide Zeichnung der Historiographie von Neu-Siebethsburg ist spannend zu lesen, weil darin wieder einmal bekannt wird, daß eine Genossenschaft, die älter wie die Genossen wird und damit den Anlaß ‘überlebt’, den Habitus einer Verwaltung übernimmt. Und für die ist der Ordnung halber eine Einschränkung der individuellen Entscheidungen wie kommunalen Vereinbarungen notwendig, damit sie die Übersicht behält und eine Quasi-Privatisierung verhindert wird.
Florian Bellin (Red.) mit Beiträgen von B. Auerswald, F. Bellin, F. Lorberg und Ch. Welz
Notizbuch
42
Land und Lüge
(1996) DIN A5 / 308 Seiten (408g) (10,75 Euro)
Landschaftsplanung ist ein schwieriges Geschäft, weil Städter - und Landschaftsplaner sind Städter - das ‘Land’ immer hegemonial von der Metropole, der das ‘Land’ nach physiokratischer Auffassung die ‘subsistence’ zu sichern habe, her betrachten. Deshalb gibt es Landschaftsplanungen, die den Bewohnern und Produzenten auf dem Land gilt, so selten und die koloniale Landschaftspflege verschiedenen Couleurs beherrscht das Geschäft. Die Reduktion einer soliden Landschaftspflege, wie sie nach K. Buchwald (1964) noch bestand, auf einen abstrakt-normativen Naturschutz steht für das Geschäft der nivellierten Versorgung mit Gratisnaturproduktivkräften der industriellen Produktion (Rohstoffe und anorganische Produktionshilfsmittel) sowie der Förderung der Importe organischer Rohstoffe wie Exporte industrieller Produkte aus und in die Kolonien (heute 3. Welt genannt). In diesem Notizbuch sind dazu Arbeiten versammelt, die verschiedenen Seiten des landschaftsplanerischen Verständnisses, der Sympathie zum Ort und Gegenstand gegen die Vereinnahmung nachgehen.
Frank Lorberg geht der ‘Heide’ und der bildungsbürgerlichen Entdeckung von ‘Sumpf, Heide und Sezession’ wie sie in der Propaganda von Hermann Löns angezettelt wird und bis heute virulent ist, auf den schwer erreichbaren Grund. Wie z.B. die Einwohner zu Eingeborenen stilisiert wurden, der städtische Jäger nach Trophäen verschiedener Art - Wildpret, Wissenschaft, Bildern - symbolische Herrschaft über stellvertretende Muße erlangt und zum Ende die Trophäen stilisiert und vermarktet.
Christoph Welz zeichnet die aktuelle, der Nutzung oder deren Entwertung verdankte Naturausstattung am Dörnberg nach und prüft den Einfluß des naturschützerischen wie agrarpolitischen Zugriffs. Zeichnungen und Interpretationen der realen Naturausstattung sind relativ dünn gesät, weil Naturausstattung i.d.R. fiktiv und propagandistisch vorgestellt wird.
Florian Bellin führt am gleichen Ort - dem Dörnberg - den administrativen Zugriff des Naturschutzes, verteten durch die Fortspartie auf und weist die kolonialistische Landschaftsbildnerei in der primitiven Nachfolge englicher Parkgestalter nach. Vorwände und Bilder, Aussperrungen und Einsperrungen, Imitationen und Abfallproduktion, wie sie von Thorstein Veblen schon vor 100 Jahren trefflich als demonstrativen Aufwand und stellvertretende Verschwendung festgestellt wurden, sind, wenn man die dünne Decke des Jargons mal lüftet, in dem üppigen administrativen Mummenschanz aufzudecken und nachzuweisen.
Birgit Auerswald folgt mit ihrer Untersuchung den Wegen - im doppelten Sinne - der ‘spontanen’ Vegetation und ihres praktischen Gebrauchs in der Küche. Die erste Hilfe zur Kenntnis sind Wildkräuterkochbücher, die nach dem Erscheinungsdatum auffällig sortiert werden können. Zugehörigkeit zu Pflanzenfamilien und Pflanzengesellschaften werden für typische Kochkünste, Erntezeiten und Ernteorte beschrieben. Daß diese Kenntnisse nur mehr literarisch vermittelt sind, führt die Autorin auf die Ausrottung der Pflanzengesellschaften durch industrielle Landwirtschaft und die Reduzierung der Wege, die immer auch freies Gut für den Gebrauch der landlosen Bewohner waren, zurück. Die Sammelrestriktionen des Naturschutzes legitimieren die Aufhebung der Allmendnutzungen ergänzend.
Sowohl
für die Landschaftskunde und praktische Beobachtungen,
Kenntnisse, Gebräuche
und den Widerspruch zur Administration informative und spannende
Arbeiten, die
neben Vergnügen beim Lesen auch wichtige Gedanken zur
Landschaftsplanung -
gegen die unreflektierte Landespflege formulieren den Spaß,
die Langeweile des
Naturschutzes meiden zu
lernen.
Notizbuch
43
Agrarberatung und Agrarkultur und weitere Texte
(Nachdruck zum 60. Geburtstag des Autors)
(1996) DIN A5 / 152 Seiten. (214g) (5,00 Euro)
Diese Essays - zwischen 1982 bis 1987 geschrieben - immer noch zutreffend, immer noch streitbar und ärgerlich ziehen der Entwicklungs- und Beratungspropaganda für die äußeren und inneren Kolonien ebenso die Zähne wie der industriellen Monopolisierung des ‘Lebens’. Dem stellt der Autor eine ‘Muttheorie’ der individuellen und kommunalen Selbstständigkeit gegenüber, die an Beispielen bäuerlicher Lebenskunst und deren Kultur - Kulturpflanzen gegen cash crops - , der Verbindlichkeit des Ratgebens und Ratsuchens dargestellt wird. Wer dem ‘alternativen Landbau’ anhängt wird von Groeneveld darüber informiert, daß wir es hierbei nicht mit der Kultur zu tun haben, sondern nur einer geschickt getarnten Modernisierung hier und da etwas vorsichtiger taktierenden Industrialisierung und Bürokratisierung. Mit viel Vergnügen nutzt Sigmar Groeneveld seinen Hang zu Sprachspielen, die der LeserIn den ‘Stil des inneren Vorbehalts’ aller möglichen Verlautbarungen offenkundig macht.
Die Reihenhausstadt Bremen, in der bis etwa 1910 die mittelalterliche Haushufenerweiterung der Siedlung beibehalten wurde, ist ein ideales Beispiel zum Nachweis systematischer Reihen. Eine davon - über die Verweichlichung und die Erniedrigung des Vorgartenzauns - steht immer noch aus. Dafür sind zwei andere im Notizbuch abgedruckt: Vom Reihenhaus zur Zeile (Theiling, Christoph) und Plätze in Bremen (Bäuerle, Heidbert u. Theiling, Christoph).
Vom Handwerkerhaus über das Architektenhaus bis zum Entwerfergebäude der Zeile ist eine Reihe der klammheimlichen Verwandlung zu zeichnen, die in Typen und deren Variationen festgehalten werden kann. Spannend ist dabei, daß peu á peu die praktischen Regeln nach Gutdünken verändert, dann vergessen und zuletzt von beliebigen und geschmäcklerischen Erwägungen der Einfalt oder Vielfalt abgelöst werden. So geht denn notwendig auch die Erfahrung der Regeln und die Erinnerung daran verloren, so daß der Bauhauspropaganda - immer wieder bei 0 zu beginnen - Anerkennung und Reputation verschafft wird. Die Reihe der Verwandlungen, die in Bremen mit vielen Beispielen statistich nachgewiesen ist, macht deutlich, daß deren Kenntnis Vorausetzung für das Verständnis der Folgen einerseits und, andererseits, für die Reflexion der Beispiele im Sinne von Vorbildern ist.
‘Plätze’
die seit Camillo Sitte den EntwerferInnen beliebtes Sujet für
eine
Theaterdekoration sind, folgen der Reihe - der Platzreihe - vom
Reihenhaus zur
Zeile. Denn immer, wenn ein Platz eine Brosche darstellen soll und
keinen Platz
bietet, treten die Gestalter auf die Bühne. Die Haushufe wird
von Plätzen
begleitet. Jede Straßeneinmündung besteht aus Platz,
der durch Gebrauch bekannt
und verstanden ist. Die allgegenwärtigen Plätze, die
den unaufmerksamen
Beobachtern zu recht nicht auffallen, werden beim Wandel von der
Haushufen-Reihenhausstadt aufgehoben und bombastisch zentralisiert und
aus der
Reihe genommen. Die Hierarchie der Plätze den Wegen entlang,
der Reihe nach,
wird ersetzt durch Zentralisierung: nur Bahn, nur Läden, nur
‘Platz’, nur
‘Grünfläche’. So ist die Reihe
vom Haus zur Zeile in der Reihe vom Platz zur
Fläche schon vorgezeichnet. Dem Auftraggeber war diese
‘Reihe der Plätze’ nicht
sonderlich sympatisch. Das ist klar, wenn wir bedenken, daß
der Auftraggeber
sie für die demonstrativen Flächen -
zumindest unausgesprochen -
erwartete. Daß der Platz mehr mit dem informellen
und alltagspraktischen
Gebrauch sinnvoll erst gelebt werden kann und dann gelegentlich auch
dem demonstrativen
Aufwand dienstbar ist, wird wohl als Kritik am zentralistischen
Städtebau
verstanden. So passen die beiden Arbeiten - eine kluge Erweiterung und
Unterstützung der einen Reihe durch die andere - gut
zueinander.
Ma. E. Granda-Alonso, K.H. Hülbusch, G. Moes, K. Protze, Chr. Theiling (Red.)
Notizbuch
45
Kunst wächst manchen über den Kopf
(1997) (210x120 mm) 112 S. (144g) (6,25 Euro)
Zur
dokumenta 7 pflanzte Joseph Beuys bis zur dokumenta 8 von 1982 bis 1987
die ‘Soziale
Plastik - 7000 Eichen - Stadtverwaldung statt
Stadtverwaltung’ in Kassel. Zur d
X / 1997 empfehlen wir photographisch dokumentiert von Katharina
Hülbusch
(Osnabrück) und versehen mit einer Reminiszenz von Valentin
Rothmaler
(Wismar/Plön) zwei Beuys-Bäume-Spaziergänge,
die der Veränderung in der Stadt
durch das Kunstwerk gezollt sind. Neben Geschichten zur Aktion, der
Durchsetzung, dem hinhaltenden Widerstand der Verwaltung, der Sabotage
durch
die Stadtobrigkeit (s.a. Notizbuch 38) weisen wir vor allem darauf hin,
daß ein
‘wachsendes Kunstwerk’, also ein Werk, das nicht
abgeschlossen in den Fundus
von Sammlern und Museen einverleibt werden kann, von Kustoden des Werks
eine
dauernde Interpretation der Partitur erfordert, sie zwingt der
Botschaft immer neuen
Ausdruck zu geben und dabei die Originalität zu wahren. Der
Kommentar, die
Fotos, die Spaziergänge sind begleitet mit Auszügen
älterer Texte,
Stellungnahmen und Feststellungen von Joseph Beuys.
Notizbuch
46
Das Maß der Dinge Prüfungsreden 1994 / 1995
(1997) DIN A5 / 248 Seiten. (332g) (9,00 Euro)
„Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen. Es braucht nicht eben ein scharfdenkender Kopf zu sein, auch meine ich es nicht so, als ob du ihn darum befragen solltest: nein! Vielmehr sollst du es ihm allererst erzählen” (Kleist, H.v. 1806 / 1985: 319ff.)
Prüfungen
sind ein ‘kluges Unternehmen’, wenn wir sie mit
H.v. Kleist’s Unterstützung im
Sinne eines Seminars, einer Lehrstunde, eines aufmerksamen
Gesprächs
einzurichten wissen. Wie in Notizbuch 21 und Notizbuch 30 sind auch in
diesem
wieder Beiträge zu verschiedenen Gegenständen und
Aufgaben der Freiraum- und
LandschaftsplanerIn sortiert und versammelt.
Notizbuch
47
Ich gehe raus - und bin doch zu Haus
(1997) DIN A5 96 Seiten. (142g) (5,00 Euro)
In gut 20 Jahren hat die Autorin viele Texte verfaßt und Nachdenklichkeiten zur Freiraumplanung, zu ‘Innenhaus und Aussenhaus’ und zum ‘Expertentum im Alltag’ geschrieben, vorgetragen und veröffentlicht. Sie hat die Debatte zur Freiraumplanung geprägt und den opportunistischen Widerstand der Grünplanung, die im Städtebau und der Architektur machtvoller formuliert werden, bis hin zu permanenten Berufsverboten herausgefordert. Irgendwo intervenieren die ‘Städtebauer’ schon immer. Aus der subsitentiellen Arbeits- und Lebenserfahrung der Familienfrau, die professionell bewandert und kenntnisreich informiert ist, formuliert sie Fragen, die Antworten enthalten, ohne sie gleich ‘verfügbar’ zu machen. Dazu gehören auch die Gedanken zu ‘den Gärten der Anderen’, seien es die herrschaftlichen Gärtnerinnen oder die tüchtigen Gärtnerinnen des Alltags, von denen die Privilegierten kurze Zeit später abgekämpft und damit abserviert werden - literarisch, weil der Vorwand den ‘Grund’ nicht erreicht und wieder einmal die ‘Grimmigen’ hofiert. Nicht zuletzt sind die Kommentare einer ‘ungehaltenen Professorenfrau’ (s. Gummert, M. 1979 / Kursbuch 58), die gute Miene zum bösen Spiel der Sippenhaft über den Mann, mit dem sie verheiratet ist, zu ertragen hat, zu ewähnen. Es ist doch ärgerlich für beide Seiten, wenn bei jeder Tätigkeit der ‘Mannraum’ aufgetischt wird. Die profesionelle und antiaktionistische Debatte zum Widerstand gegen AKW’s und Atomindustrie sowie die städtebauliche Zerstörungen des Alltags kommt in der Nachlese vielleicht etwas zu kurz, weil die Texte dazu von der zur Zeit bekannten Aktion geprägt sind und umfangreiche Vorbemerkungen erfordern, damit die Situation wieder virulent wird. ‘Innenhaus und Aussenhaus’, das wir hier nicht in Auszügen abdrucken, weil es noch im Original zu erwerben ist, gehört zu den Standardwerken der Freiraumplanung.
Notizbuch
48
Muttheorie gegen Zumutungen
(1997) DIN A5 / 225 Seiten. (310g) (7,25 Euro)
Arbeitsplatzreflexion ebenso wie die Reflexion der Arbeitssituationen werden gelegentlich bei Lehrern und Medizinern geübt. Sie folgen einer Seminarreihe, die Michael Balint eingeführt und unter dem Titel ‘Der Arzt, sein Patient und die Krankheit’ veröffentlicht hat. Ein solches ‘Balintseminar’ haben wir 1994 durchgeführt und in Mitschriften festgehalten, die in überarbeiteter und anonymisierter Form mit kommentierenden Texten und Berichten zum Studium, Lehre und Beruf ergänzt in diesem Notizbuch abgedruckt sind. Es löst Notizbuch 9 - Der Praxisschock - ab. Die Bedrohung, von den Vertretern der Hochschule gegenüber StudentInnen gerne über das imaginäre Büro und den ebenso imaginierten Auftraggeber und deren Macht eingeführt, bleibt im Büro und der Verwaltung mit veränderten Stellungskriegen erhalten. Denn diese warnenden Figuren spielen unerreichbare Mehrfachrollen, die ihnen selbst verborgen bleiben. So wird denn die Arbeit zum taktischen Kriegsschauplatz, der nach Lust und Laune mit Zinnsoldaten und Pappkameraden vollgestellt wird. Wenn das noch nicht reicht zur Einschüchterung, wird der Honorarknüppel aus dem Sack geholt, mit dem vorher nur gewunken wurde. Daß seriöse professionelle Arbeit frei sei von Zwängen und Interessen der formellen Auftraggeber, ist eine Mähr, die von opportunistischen Illusionisten immer wieder proklamiert wird, damit sie den Zwängen sich ergeben können - die Armen: ‘eigentlich’ wollten wir ja das Beste. Dafür aber muß man die Inszenierung durchschauen, die professionelle Arbeit so gut können, daß man die Beweisnot nachhalten kann. Unerschrockenheit ist keine Frage des Leichtsinns sondern der Überlegung, die einkalkuliert, daß die Planerin für den Plan, nicht aber für die politische Entscheidung verantwortlich ist. Dies und die Zumutungen zu durchschauen - auch solche die innerprofessionell legitimiert erscheinen - ist eine Voraussetzung zur aufmerksamen und erprobenden Distanz. Wer das nicht lernt, verlernt in wenigen Jahren Berufstätigkeit mehr als sie oder er vorher gelernt hatte - auch im noch so miserablen Studium.
Der Bericht vom ‘Balintseminar’ mit Kommentaren wird vervollständigt durch Beiträge von B. Burg, Ma E. Granda Alonso, J. Wohlfahrt, A. Tschirner, H. Lührs u.a.
Notizbuch
49
Ruderalvegetation Ökologie & Ethnoökologie,
Ästhetik und „Schutz“
(1998) DIN A5 / 396 Seiten. (522g) (12,25 Euro)
Der
Gegenstand ist die triviale Vegetation der Stadt, das, was wild, von
selbst
wächst (K.H. Hülbusch, 1978). Im Kontext
städtischer Grünpflege und
Straßenreinigung bedeutet das in der Regel Unkraut, selbst
wenn sein
Zustandekommen als Ausdruck der Unpflegbarkeit und Unbrauchbarkeit der
Produkte
erst durch die Entwürfe der Stadtplaner und Gartenarchitekten
in die Welt
gesetzt ist (vgl. auch Notizbuch 17 und 34). Als Geograph und
vegetationskundlicher ‚Etnologe‘ macht sich Gerhard
Hard in heimischen Gefilden
auf, frei nach dem Schmitthüsen’ schen Motto den
‚geistigen Plan‘, die
kulturlandschaftliche Seite der städtischen Vegetation zu
entdecken. Im Zentrum
der Arbeit steht eine alte Liebe des Autors, die
Mäusegersteflur, das Hordeetum
murini. Diese prototypische Vegetation der städtischen
Ränder, Restflächen,
Gärtnerbeete,.. usw., die vertraut und bekannt ist, weil sie
einem auf Schritt
und Tritt begegnet, ist der Ausgangspunkt der Hard’schen
Erzählungen und
Recherchen. Dazu gehört im Kontext städtischer
Freiräume die administrative
Pflegegeschichte, ihr Modenrepertoire und das immer wiederkehrende
Herumschustern als Versuch der Stabilisierung des Unhaltbaren. Als
neueste
Variante grünplanerischen Unverständnisses
führt Hard das naturschützerisch
ambitionierte Possenstück der
‚Unkrautpflege‘ – mit Hacke und Herbizid
-
im Freilichtmuseum vor, bei dem der Kampf dem bösen Unkraut
zum Schutz des
guten Unkrauts ebenso erbarmungslos wie erfolglos gefochten wird.
Professionell
betrachtet ist G. Hard in gewissem Sinn ein Wanderer zwischen den
Welten, der
immerhin den Blick auf die freiraumplanerisch-vegetationskundige
Debatte von
K.H. Hülbusch und der ‚Kasseler Schule‘,
aus deren Fundus ein Gutteil der
Überlegungen gespeist ist, nicht ganz unterschlägt,
wie das ansonsten (siehe
Sukopp et al. 1998) innerprofessionell der Fall ist. Ganz nach dem, was
M.
Balint 1964 mal für seine Arbeit und deren innerprofessionelle
Rezeption
formuliert hat: „Man kennt uns, man liest uns, aber man
zitiert uns nicht.“
Gemessen an der pflanzenbürokratischen Sprachlosigkeit, welche
die literarische
Landschaft des Themas gemeinhin ziert (siehe etwa „das
einzige deutschsprachige
Fachbuch zum Thema Stadtökologie von Sukopp, H. und Wittig, R.
(Hrsg.) von
1998), hält Hard’s Werk über weite Strecken
eine witzige und geistreiche
Debatte vor, die mit fast 400 Seiten allerdings um feuilletonistische
Längen
nicht umhinkommt.
Ein Notizbuch der gesammelten, in den bisherigen Heften redaktionell eingesparten leeren Seiten, für eigene Notizen zu verwenden.
„Man
sitzt irgendwo herum, hat erst mal eine kleine Bibliothek, noch einige
Lücken
der Versiertheit und ist bei der planerischen Arbeit auf eine Dissonanz
gestoßen, die nicht einfach beiseite geschoben werden kann.
Oder man will sich
einfach mal von einem Gegenstand, der einem nicht so geläufig
ist, eine
Übersicht verschaffen. Was wohl wäre da besser
geeignet als eine Bibliographie
– ein Buch über die Bücher.“
(K.H. Hülbusch 1999 :3) So sind im Heft
Buchstützen gleich drei Bibliographien versammelt. Einmal der
längst
überfällige Registerband zu Notizbuch 1-48 von R.
Spreter, nach AutorInnen und
Themen, so daß einzelne Beiträge rasch aufzufinden
sind, oder gezielt zu einem
Thema ein Überblick gewonnen werden kann. Die zweite
Bibliographie von B.
Gehlken und K. Protze erschließt den Fundus an weitgehend
unveröffentlichten
studentischen Arbeiten (BPS-Berichten, Diplom-, Projekt- und
Studienarbeiten)
aus rund 25 Jahren Lehre und Lernen von und mit K.H. Hülbusch.
Im normalen
Sprachgebrauch ist das ‚graue‘ Literatur, die
gemeinhin an allen Hochschulen
verschämt hinter Schloß und Riegel gehalten oder nur
‚unter der Hand‘
weitergereicht wird, weil anders als in den geschönten
‚Veröffentlichungen‘,
den ‚Arbeitsberichten‘, Schriftenreihen,...etc. die
quasi die offizielle Fassade
von Forschung und Lehre nach aussen darstellen, die reale Leere der
Lehre als
latente Seite (Berger, Kellner 1984) der Hochschulen verborgen bleibt.
Die
Bibliographie eröffnet einen Zugang zu diesem Teil, der
alltäglichen
Hochschularbeit und ihren Produkten, quasi der Hausarbeit innerhalb der
Lehre,
die so gerne angesichts der externen Reputierlichkeit und der
Lukrativität von
Drittmittelforschung und Büroprofessorerei unter den Tisch
fallen gelassen
wird. Den dritten Teil bildet die Grünlandbibliographie von H.
Lechenmayr. Eine
wohlsortierte und kommentierte Auswahl an Literatur zu den Etappen der
Intensivierung des Grünlandes zum Grasland, wie sie etwa in
den Arbeiten von
Stolzenburg, H.J. 1989; Ledermann, B. 1989; H. Lührs, 1994 und
Gehlken, B. 1995
u.a. verhandelt sind.
F. Bellin, B. Gehlken, K.H. Hülbusch, F. Lorberg, St. Novak, R. Plath, M. Poguntke, K. Protze, H. Weide.
Notizbuch
52
Gagel, Speik und Wegerich, Beiträge zur Landschafts- und
Vegetationskunde
(1999) DIN A5 / 220 S. (328g) (11,50 Euro)
Eine bunte Sammlung vegetationskundiger und landschaftsplanerischer Texte. Der Auftakt bildet die immer noch aktuelle Arbeit von K.H. Hülbusch zum Landschaftsschaden als Phänomen der Kulturlandschaft von 1967. Hier ist im wesentlichen der rote Faden landschaftsplanerischer Arbeit vorgedacht, Landschaft als Ausdruck der sie bedingenden und verändernden Aneignung durch den Menschen (Wittvogel, K.A. 1939). Gleichzeitig wird deutlich, wie Landespflege und Naturschutz marktschreierisch mal den ‚Schaden‘ verhindern, dann Rekultivieren, zur ‚Natur aus zweiter Hand‘ deklarieren, die dann als erhaltenswertes Phänomen stabilisiert werden soll oder aber in postmodernen Zeiten ebenso bedeutungsschwanger, wie ahnungslos in ein ästhetisiertes ‚land art‘ und ‚environment‘-project verwandelt wird. „Nur oberflächliche Menschen mißtrauen der sichtbaren Oberfläche der Dinge. Das Geheimnis liegt im Sichtbaren und nicht im Verborgenen“ hat Oscar Wilde mal geschrieben. Und so sind die Beiträge des Heftes dem Sehen (Giono, J. 1976) und dem Sichtbaren gewidmet, aus dem heraus ein Verstehen möglich ist. Gemessen an der traumtänzerischen professionellen Blindheit, die nicht sieht, aber immer auf der Suche nach fiktiven Tiefen ist, versammeln die vorliegenden Arbeiten solide vegetationskundige Beobachtungen und Bescheibungen, an die jeweils die Neugier des Verstehens geknüpft ist. Die Gegenstände wechseln, und sind z.T. ebenso schillernd, wie scheinbar exotisch. So reicht die Spanne der Texte von ‚profanen‘ Gegenständen, wie dem Grünland, dem Forst und dem Wald oder der unbeabsichtigten Vegetationsausstattung eines Stücks Straße, bis hin zu ausgefalleneren Kulturen und Phänomenen, wie etwa Speik, Oliven oder Gagel. So unterschiedlich die Gegenstände sind, so ist doch allen Texten gemeinsam, daß sie das Exotische im Licht des Bekannten betrachten und im Verstehen die Welt und ihre Erscheinungen einfacher darstellen (E. Erikson, 1956) anstatt sie zu verkomplizieren und zu partikularisieren (Tüxen, R.1974).
Notizbuch
53
Alle reden vom Land ...und andere Texte zur Landschaftsplanung
(1999)
DIN A5 / 232 Seiten. (342g) (11,50
Euro)
Wer als Städter aufs Land geht, schult seinen Blick am besten darin, in den Landschaften durch die er fährt oder wandert, die Spuren der Arbeit zu sehen, denen die Landschaft ihr Aussehen verdankt. Wenn R. Tüxen 1974 das Ziel der Vegetationskunde darin sieht, das Verstehen der Vegetation aus der Anschauung heraus zu ermöglichen dann ist die „pflanzensoziologische Spurensicherung“ von K.H. Hülbusch von 1986 eine nachvollziehbare Wegbeschreibung dahin. Die Handschrift, die hier trägt, versammelt an allen Gegenständen die Neugier (E. Jaeggi, 1986), das Wissen und die Routine des Vegetationskundlers, solide in der Arbeit und sparsam im Material. Das Heft ist also auch eine Sammlung zum Handwerk des Vegetationskundlers, an dessem Ende als Ertrag Verstehen, also ein Reichtum an Einsichten steht. Die Arbeiten sind damit durchaus nicht zeitgeistgemäß, zumindest nicht derart, daß sie die modernistische computergstützte Datensammelei hofieren, die am Ende mit einer pauperisierten Gedankenleere aufwartet. Das fällt auch in der Sprache der Texte auf, die anders als die Gedankenhetzerei innerhalb der gängigen Forschungslandschaft, die vom permanenten Konkurs, vom Abfrühstücken und dem permanenten Stellungswechsel lebt, man braucht dazu nur die schnellebige Modernisierung der Sprüche von ökologisch, regional, nachhaltig, frauenspezifisch, ...usw. herzunehmen, erfrischend altertümlich nachgedacht sind und sogar gelesen werden können. Zum Beruf des Vegetationskundlers gehört neben der Sorgfalt der Beobachtung und Beschreibung, der Erinnerung auch ein „Gespür“ (Høeg, P. 1990) für die Gegenstände und die Richtung in der sie einsichtsreich gewendet werden können. So reichen die Wurzeln jüngerer Arbeiten zum Grasland und zum Grünland weit zurück bis zum abgedruckten Text von 1969 zum Poo-Rumicetum obtusifolii Hülb.69. Das heute flächenhafte Phänomen der landwirtschaftlichen Grasland-Ackerei tauchte 1969 erst als Randphänomen längs von Flüssen oder hochgedüngten Wirtschaftsflächen auf. Der rote Faden späterer Fragestellungen und Einsichten wird in dieser frühen Arbeit bereits angelegt. Die bürokratische Fraktion innerhalb der Pflanzensoziologie hat das Phänomen damals wie heute ebenso übersehen und verdrängt (vgl. Prodomus der Grünlandgesellschaften von Dierschke 1998), wie ihren eigenen Anteil an der Modernisierung des Primärproduktion auf dem Land. Das Schicksal der Kassandra ist die Weitsicht, geboren aus der Kenntnis der Geschichte, wohingegen die Ungläubigkeit der Modernisierer und Gegenmodernisierer (Berger, P.L., Berger, B. Kellner, H. 1973) Ergebnis der Unkenntnis der Geschichte der gegenwärtigen Erscheinungen ist. Nur wenn die Folgen der bisherigen Etappen der Modernisierung professionell verdrängt werden, können die Verheißungen einer besseren Zukunft auch weiterhin verkündet werden (Berger, J. 1974). Das ist innerhalb der Wissenschaft nicht anders, als in den politischen Landschaften, die regelmäßig übersät ist mit Gedächnislücken quasi kognitiven ‚schwarzen Löchern‘ angesichts der Überprüfung schwarzer Konten. Planerische Prognosen auf der Basis der Prüfung von Folgen und Konsequenzen sind in den Augen von Modernisierern immer ‚subversiv‘ (Berger, P.L. Kellner, H. 1984), weil ihnen weniger am Geschäft bzw. der Legitimation offizieller Deklarationen gelegen ist, denn am Verstehen. Der Blick, den die hier versammelten Arbeiten eröffnen, ist immer von der Neugier des Städters geprägt, der auf dem Land nach Bekanntem und Verstehbarem sucht, also immer auf der Basis des mitgebrachten Wissens und der Kenntnisse den Blick für die Arbeit und ihre Produkte schult. Professionell eine unumgängliche Voraussetzung der Sympathie für Land und Leute. Denn nur wer den Alltag und die Arbeit ernst nimmt und versteht, kann Rat geben ohne zu verraten (Groeneveld, S. 1984) und den eiligen Verheißungen des Fortschritts auf dem Lande (Hülbusch, K.H.; Lecke, D. 1975) widersprechen.
Böse-Vetter, H. ; K.H. Hülbusch (Red.)
Notizbuch
54
Gute Bau-Gründe
(2000) DIN A5 / 296 Seiten. (432g) (13,25 Euro)
Gute
Bau-Gründe gibt es viele, wie man bereits bei J.F.C. Turner
1978 nachlesen kann.
Wer dann auch noch dort zuhause (Bausinger , H. 1980) sein will, wo er
baut
oder kauft, der ist mit einem Haus gut beraten. Wer spekulieren will,
kann sich
immer noch im Verscherbelungsfundus der Wohnungswirtschaft, egal
ob
‚Gemeinnützige‘ Wohnungsbaugesellschaften
(vgl. Günther, R. 1982), Treuhand
oder Privat-Investoren bedienen, und darauf vertrauen, daß
die Rechnung dank
Förderung, Sonderabschreibungen und sonstigen Subventionen
unterm Strich
aufgeht. Die Rechnung für Fehlschläge zahlen in der
Regel ohnehin die Mieter.
Die Wohnungswirtschaft ist unter der Voraussetzung externer staatlicher
Bezuschußung durchaus ein einträgliches und
lukratives Geschäft, bei dem der
permanente Bankrott nur deshalb nicht auffällt, weil die
Fehlschläge aus
öffentlichen Mitteln beglichen werden. Die Spekulation geht
aber nur auf,
solange Knappheit herrscht, bzw. diese künstlich
aufrechterhalten wird, denn
Zeiten eines entspannten Wohnungsmarktes sind immer auch die Phasen des
Leerstandes, der Verwahrlosung der Wohnungswirtschaft, so daß
in solchen Phasen
der wohnungswirtschaftlichen Baisse der Markt der Nach- und
Wohnumfeldverbesserung blüht. Obwohl es innerprofessionell zum
guten Ton
gehört, jeweils in das Gejammer um die schlechte Auftragslage
und die
Aquisitionsschwierigkeiten einzustimmen, wechseln die
Gegenstände zyklisch von
der Objekt- und Ausführungsplanung im Zuge von Neubau hin zu
vergleichbaren
Aufträgen im Zuge des Umbaus und der Nachbesserung. Seit den
20er Jahren sind
die Arbeitsplätze und die Aufträge von Architekten
und ebensolchen in Grün
dauerhaft in den Entwürfen perpetuiert. Es gibt wohl kaum ein
Berufsfeld, was
derart konsequent von permanenter Nachbesserung ihrer eigenen Produkte
lebt,
wie die Architektur und Grünplanung, und das auf Kosten derer,
die da wohnen.
Dabei gäbe es, durchaus brauchbare und bewährte
Vorbilder, nämlich das Haus in
einer „Haushufenerweiterung“ (Beekmann et al.
1996), die man kopieren könnte,
ohne irgendetwas neu erfinden zu müssen (Culot 1986).
Daß das brauchbarer,
ökonomischer und ertragreicher ist, wird anhand zahlreicher
Einzelbeiträge
debattiert und dargestellt, quasi eine professionelle
Schützenhilfe in guten
Bau-Gründen. Die fiktiven Zweifel und Vorwände der
Modernisierer gegen das Haus
und eine Straßenerweiterung fußen in erster Linie
auf der Unkenntnis des
Gegenstandes. So nachzulesen bei den Architekten (Gropius et al.), der
Grünplanung (vgl. Däumel, G.‘s Kritik von
1965 zu J.Jacobs 1961) oder der
Soziologie (Steinrücke, M. Schultheis, F. in Bourdieu, P. et
al. 1998). Zynischerweise
sind dabei die lautesten Gegner des Hauses immer schon die gewesen, die
über
ein solches verfügten.
Notizbuch
55
In guter Gesellschaft - Beiträge zur Pflanzensoziologie,
Vegetations- und
Landschaftskunde (Teil 2)
(2000) DIN A5 / 356 Seiten. (518g) (15,25 Euro)
Die
18 Beiträge reichen von der Vergesellschaftung dieser oder
jener Art, Nachlesen
zu bekannten Pflanzengesellschaften, über vergleichende
Betrachtung der
Dynamik, räumlichem Nebeneinander und zeitlichem Nacheinander
verschiedener
Pflanzengesellschaften – Stadtvegetation, Feldgraswirtschaft,
Versaumungen,
Dünenserie, Calluna-Zwergstrauchheiden – bis zur
Analyse der botanistischen
Willkür der Feststellung legitimierter oder illegaler
Assoziationen, Verbände,
Ordnungen und Klassen unter dem Titel
‚Klassenlotterie’ (B. Gehlken). Unter
diesem Motto stehen vom Vorwort bis zu den Buchbesprechungen alle
Beiträge des
Notizbuches. Ob jetzt das ‚knollige Rispengras in
Scherweiden’ (G. Moes u. B.
Sauerwein), die Riesenbärenklausäume (M.
Machatschek), die ‚Prüfung gealterter
Aussaaten auf wassergebundenen Decken (H. Mölleken), das
‚Knautietum
dipsacifoliae im französischen Jura’ (E. J. Klauck),
die ‚Stadtvegetation von
Paderborn’ (K.H. Hülbusch), die
‚Feldgraswirtschaft’ (P. Kurz),
‚Versaumungen
in Bockholmwik’ (B. Gehlken, M. E. Granda Alonso, P. Kurz)
oder die ‚Dünenserie
in Bockholmwik’ (F. Florin) vorgestellt werden, immer sind
die Beiträge
sorgfältig nach der Neugier, der pflanzensoziologischen
Abbildung und
Systematisierung, Einfügung in den Wissensbestand, die
Interpretation zur
Geschichte des Phänomens und die Auslegung geordnet. In keinem
Beitrag kommt
der Kratzfuß an einen ‚Auftraggeber’ und
dessen normative Interessen vor. Dafür
aber selbst im ‚kleinsten’ Beitrag neben der
sorgfältigen Ordnung der
Diskussion eine jeweils üppige Vergleichung mit vorhanden
Kenntnissen aus
literarischen Quellen. Der LeserIn ist zu empfehlen, ganz im Gegensatz
zur
redigierten Reihenfolge, mit der ‚Klassenlotterie’
– Pflanzensoziologie
zwischen Vegetationskundigkeit, Formalismus und Technokratie
– von B. Gehlken
zu beginnen. Was in den anderen Beiträgen nur angesprochen
oder gar
selbstverständlich wissend vorausgesetzt wird, ist in dieser
Untersuchung
ausführlich dargelegt: das Hinsehen, die Neugier der
Gegenstandskenntnis und
des Gegenstandsverständnisses der Abbildung, dem
systematischen Vergleich und
der verschiedenen Gattungen des Schreibens in einer Darlegung. Im
Gegensatz
dazu wird der pflanzensoziologische Ökologismus, die
‚Wissenschaft im Dienste
des Auftraggebers und der Geldquelle’, die
‚Klassenlotterie’ mit
bemerkenswerten Beispielen positivistischer Willkür
analysiert.
Notizbuch
56
Die Boden-Rente ist sicher - Beiträge zur Organisation des
Bau-, Siedlungs- und
Freiraumgrundrisses (Teil 2)
(2000) DIN A5 / 332 Seiten. (488g) (15,25 Euro)
Der
morgendliche Blick ins nächste Käseblatt –
nicht zur Dauertherapie zu empfehlen
– verschlägt immer wieder den Atem. W.D. Narr hat
1981 empfohlen, statt jedem
Tag neue Wunden in die eben vernarbte zu schlagen, eine
‚systematische
Aufforstung der Kenntnisse des Wissens, der Erfahrungen zu
befördern’. Ja, es
wäre wohl an der Zeit eine ‚Pisa-Studie’
über die Nieten der Nadelstreifen’
anzufertigen, deren Weissagungen von Tag zu Tag abstruser und
großspuriger,
tendenziell kolonialistischer werden.
Mit der Haus-, Gebäude-, Siedlungsgrundrisskunde wie mit der
darin enthaltenen
Kunde von der Organisation der Freiräume hat die
Lehre des Entwerfens
nichts zu tun. An diesem wohlfeilen Grunde gibt es auch keine Lehre
über den
professionellen Gegenstand des Studierens (und Lehrens), der in
philanthropischen, ökonomischen und ein bisschen
historisierendem
Versatzstückrepertoire eingeübt wird. Es ist doch
merkwürdig wie ungebildet die
Entwerfer (Stadt-, Bau- Grün-) im Hinblick auf die
Gegenstandsgeschichte ‚ihres
Objektes’ sind – oder gerade, weil es für
sie Objekte und keine
Gebrauchsgegenstände sind. Die von Fehl herausgegebene Reihe
bei Christiensen
(Hamburg) ist ein kluger Vorschlag zur wissentlichen Anhäufung
geschichtlicher
Produkte, der Absichten und Folgen für die berufliche
Reflexion, die völlig
ignoriert wurde. Der Reihe mag alles angeheftet werden können;
nicht aber Ignoranz,
Opportunismus und Dummheit. Der Vorwurf, sie sei ev. Zu historistisch,
ist
völlig unsinnig, weil diese Kenntnis erforderlich ist, damit
die unverstandenen
Anleihen und Behauptungen erkannt werden.
Den Beiträgen der ‚Guten Baugründe
– II’ ist der geschichtliche Vergleich immer
an den gegenwärtigen Verheißungen gedient, also am
Fall ausgebreitet und nicht
systematisch dargelegt. Und, wenn die Darlegung einer Historie angesagt
ist –
M. Poguntke / Straße und Hausplätze in
Friedrichstadt -, gilt diese nicht
vornehmlich der Geschichte sondern dem Verständnis der
Gegenwart und der
Geschichte, die darin bisher übersehen wurde. Bis auf eine
Darstellung aus den
frühen Siebzigern zur Boden- und Differentialrententheorie (H.
Bäuerle
1972/73), deren Kenntnis noch heute empfehlenswert sind, haben alle
Beiträge
den Anlaß in gegenwärtigen Versprechungen:
’Vom Wohnen in der Sackgasse,
‚Frauengerechtes Städte- und Wohnungsbau’,
‚Zur kritischen Rekonstruktion’,
‚Zum frauenspezifischen Siedlungsentwurf’
– bzw. in bewussten Widerspruch zu
den Verheißungen bzw. Vereinnahmungen gefunden. Im Beitrag
von B. Auerswald u.
H. Lechenmayr wird ein Beispiel für die Lehren aus einem
Auftrag vorgetragen:
Worauf muß worin geachtet werden? Dieser praktische, d.h.
theoretisch
begründete Vorschlag, besteht aus der Berufung auf das
historische Wissen, das
an den anderen Beispielen und Vorträgen (u. a.) zwar
verhandelt, nicht aber in
Regeln umgemünzt wurde. Das ist nicht schwer zu verstehen,
wenn bedacht wird,
dass ausschließlich dieser Beitrag aus einem Planungsauftrag
hervorgegangen
ist.
Bellin, Hülbusch, K.H. et al. (Red.)
Notizbuch
57
Die Kunst des Gärtnerns - Der Gartenbau in vier Abteilungen
– oder: die
Hausgemüsewirtschaft
(2001) DIN A5 / 220 Seiten. (330g) (11,50 Euro)
In der Ratgeberliteratur für den ‚Hausgarten’ wird angestrengte ‚Schönheit’ oder exklusive Ernte offeriert. In ‚Kraut und Rüben’, einer Werbezeitung für den Handel mit exklusiven Schaustücken wird unter dem Segel der Ökologie’ schöner Wohnen bunter gemacht. Und alle diese Schönheiten sind natürlich sinn-, nutz- und arbeitslos. Die Hausgemüsewirtschaft ist dagegen sinnig, nützlich und mit vergnüglicher Arbeit ausgestattet. Die Schönheit eines gut gediehenen Gemüsegartens ist ökonomische Natur und offeriert gleichzeitig die Kenntnis und Fertigkeit der GärtnerIn auf dem Feld und in der Küche. Mit 40 ForscherInnen haben wir uns zehn Tage lange auf eine Expedition durch die Gärten Großstelzendorfs, einer klassizistischen Siedlung in niederösterreichischen Weinviertel, begeben. Traufständig gereihte Wirtschaftshufen sind hier die Regel, so dass Unterschiede der Wirtschaft auf der Wirtschaftshufe nicht in Unterschieden des Bauens und der Verfügung begründet sein können, sondern wahlweise erfolgt. In der Wahl selber können wir nach den Gründen fragen, nicht nach den Absichten, sondern nach den Vorwänden. Mit den klassischen Mitteln der Abbildung nach den Merkmalen – hier natürlich die angebaute Vegetation – haben völlig unprätentiös eine Typisierung der ‚Gärten’ (i.w.S.) nachweisen können, die vom Kohlgarten bis zur Grünfläche reicht. Hier, können wir konstatieren, dass ganz im Gegensatz zur Reihe vom Haus über das Gebäude bis zur Geschosswohnung, die ja qua Vorfertigung ideologisch und ökonomisch verordnet wird, für alle Beteiligten die gleiche Wahl oder Wahllosigkeit besteht, die Ungleichheit also selbst erwählt ist. Wenn wir vergessen, dass Unkenntnis mit Propaganda hergestellt wird und über 200 Jahre Grünraumgestaltung nicht spurlos bleiben. Jetzt kann man feststellen, dass die dumme Arbeit erst seit 20/30 Jahren ins Haus eingezogen ist. Die Gartentypen in Großstelzendorf könnten wir deshalb auch nach Generationen sortieren: die praktischen und kenntnisreichen Alten und die fleißigen, aber völlig unfähiger Jungen. Indem wäre noch eine Soziologie nach der vergnüglichen Sparsamkeit und der unvergnüglich anstrengenden Vergeudung, die nicht altersgebunden ist, darin enthalten. Da die Befragungsempirie so verlogen ist, haben wir einfach die 65 Gartenaufnahmen nach Merkmalen geordnet und sind dabei – am zufällig gewählten Ort – auf 6 Typen vom Kohlgarten bis zum ‚Bongert’ (Baumgarten) gekommen, die überall so zu finden und sogar zu völlig verschiedenen Bautypen abhängig von der Kenntnis und Entscheidung der Einwohner anzutreffen sind. Wieviel Wissen in einem Hausgemüsegarten und Können vonnöten ist und wie viel Verzeugung zur Haltung eines ‚Mühseligen Gartens’ – einer gepflegten Brache – gehört, ist nach den Tabellen der Gartenausstattung nachvollziehen. Für die LeserIn ist der Leseweg durchaus anstrengend, weil neben den ‚Garten’-Typen die materiellen Mittel der Kulturen von der Hackfrucht bis zu den Gehölzen vom Gemüse – über die Gewürz– und Heilkräuter, vom Frischgebrauch, der Konservierung, den Körnerernten und den Lagergemüsen verhandelt wird– also, alles was für die Hausgemüsegärtnerei zu bedenken ist.
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen“ (Heine, H. 1884)
F. Bellin / K.H. Hülbusch (Red.)
Notizbuch
58
Licht und Schatten – Herstellungsplanung
(2003) DIN A5, 258 Seiten. (392g) (13,25 Euro)
Manche Überlegungen bedürfen, wenn sie schon fertig scheinen, noch der Herstellung. Der Hauptanteil des Notizbuches besteht aus den Erträgen des PlanerInnenseminar vom März 2001 in Wollingst – ‚Planen unter unmöglichen Vorgaben’ – sozusagen eine Karikatur zum alten Lamento der Grüngestalter, dass sie immer zu spät gefragt werden. Hinter vorgehaltener Hand: früh gefragt, hatten sie nichts zu sagen gewusst. Der Auftrag im Seminar – jede/r bringt einen Fall mit, jeglicher Umbau oder Abriß ist ausgeschlossen’ – und mach einen unter Umständen klugen Plan, keinen Entwurf. Denn i.d.R. ist Bauentwurf schon genug Karikatur gegen den praktischen Gebrauch. Es ist also nicht nötig noch blöder zu sein. Freiraum und Herstellungsplanung konkurriert nicht mit dem Bauentwurf und darf im Hinblick auf die erforderlichen Mittel ohne Not sparsam sein. Wir verraten nur, dass die ‚unmöglichen Vorgaben’, die ja so verwirrend und einzeln erfunden tun, aus zwei Typen mit ähnlichen Variationen bestehen.
‚Die Erträge des Herren K.’ (H. Troll) führen in die Ambivalenz der prognostischen Erinnerung ein. Eine Ausstellung mit Eröffnung (F. v. Behren) macht den Unterschied zwischen Herstellung und Objekt deutlich. Nach dem Hauptteil – ‚in unmöglichen Vorgaben’ – oder: ‚Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel richtig setzen’ – folgen noch ein Plan für den ‚Friedhof Arolsen’, ‚Zwei Lindenbäume’, ‚Nachtragende Herstellungspflege’, abgewiesene Leserbriefe und weitere Beiträge, die zum Tenor des Notizbuchs passen.
Notizbuch
59
Über kurz oder lang – Die Handlung macht den Ort
– die Herstellung der Orte kann nur von der Handlung lernen
(2002) DIN A5, 188 Seiten.(294g) (9,25 Euro)
Promenieren ist so alltäglich handelnd wie leben. Wenn’s dazu einen Ort, Promenade genannt, braucht, kann niemand mehr promenieren, so dass dieser Auftritt paradieren zu nennen wäre. Lawrence Wylie (Dorf in der Vaucluse) hat in seiner immer noch unübertroffenen Studie, die soziologisch ist – ohne voyeuristisch zu sein, die Promenade im Sinne einer Handlung beschreiben. H. de Balsac hat ‚in der Theorie des Gehens’ (ca. 1850) sehr sorgfältig den Auftritt, die Parade und die Promenade unterschieden und literarisch mit der Art und Weise der Schreibe vergleichen. Gehen und Schreiben sind in der Promenade zuhause; nicht im Auftritt oder Parade, die eine Bühne benötigen aber kein Zuhause haben. Die ‚symbolischen Formen’ (Bourdieu, ....) sind deshalb äußere Instrumente der Einschüchterung oder Vereinnahmung, die Einübung und Unterwerfung voraussetzen. Die Promenade ist eine allgegenwärtige Handlung, die nur verhindert worden kann, wenn die Promenade gebaut und deklassiert, ausgeschildert wird, also nicht allgegenwärtig möglich ist.
Beim
Friedhof braucht die ‚Promenade’ nicht erfunden
werden (H. Troll 1996), weil
die praktischen und sparsamen Regeln des Grundrisses das eingeschrieben
haben;
so, dass es niemand verstehen, nur akzeptieren muß. Die
Schlaumeier
theatralischer Urbanität erschrecken nicht einmal davor
zurück, geheiligte
Rituale theatralisch zu verhunzen. Wenn mit Gestaltung für den
äußeren Schein irgendeine
Änderung deklassiert wird, dann ist die wirkungsvolle Absicht
den
Propagandisten nur vage bekannt. Eine Folge davon ist, dass die
Verursacher
ständig an den Mängeln herumlaborieren und sanieren
können. Was K. Marx für die
Kapitalisten beschrieb, gilt ohne Einschränkung für
alle Modernisierer. Es geht
nicht darum, Änderungen grundsätzlich zu
widersprechen. Wer aber etwas so
ändern will, dass es Bestand haben könnte,
müsste erst mal verstanden haben,
was es gibt. Nein, nicht äußerlich und
geschmäcklerisch sondern vom Geist und
Gedanken kommunalen und individuellen Handelns. Die so genannten
‚ Lösungen’
bewirken nur Katastrophen, bis am Ende niemand mehr weiß, was
einmal
selbstverständlicher Wissensbestand war. Der muß
dann, wie in den Beiträgen
dieses Notizbuches, vom Schutt modernistischer Proklamationen
freigeschaufelt
werden. Die Vermutung, dass der Müll an Lösungen mit
der Absicht hergestellt
wird, die Grundrisse der Erfahrung und des Wissens zu
verschütten, damit, wie
J. Berger erzählt, der Bestand nicht nur vergessen sondern
unauffindbar wird.
Wer etwas über Freiraumplanung verstehen will, muß
zuerst den postmodernen
Abfall beiseite schaufeln. Den Arbeiten von N. Witzel –
Promenaden, Wege und
deren gesellige Pausen im Alltag – und D. Kuhle –
Friedhofsmoden – Vorkommen
und Folgen modischer Gestaltung – sind die Nachdrucke zweier
Beiträge von R.
Hochhuth zur ‚Eschweger Friedhofsordnung’ zum
älteren Nachgedenken beigefügt.
Von K. H. Hülbusch gibt es zwei Beiträge für
den Unterschied zwischen Straße (Promenade)
und die Straße als Grünzug. Alte Texte haben neben
der Altertümlichkeit auch
schöne Merkposten zur Hand: W. v. Staden (1912):
‚ländliche Friedhöfe’. Den
Bürgerschreck der Graffitis, der Zeichen geheimer Anwesenheit,
gibt M.
Engelmoor zu bedenken, auf. Das ärgerliche besteht in der
subversiven
Vorgehensweise, die der politischen, administrativen und entwerfenden
Willkür
nur folgt wo die Handlung so tut, aber ob sie widerspräche.
Das ist eben nur
eine Machtfrage nach den Strategien militärischer Operationen
getrimmt wird.
Also: ich mache mir meinen Freiraum, ohne Deinen zu stehlen.
Hülbusch, K.H., Moes, G. (Red.)
Notizbuch
60
Alle Pflanzen färben irgendwie Gelb
(2002) 88 S. und 2 Paletten (Farbtafeln DIN A2). (150g) (11,50 Euro)
Wer
einen Ort verstehen will, muß die Nützlichkeit
verstehen lernen. Die Botaniker
des 16. und 17. Jahrhunderts (Gesner, Fuchs u.a.), C. v.
Linne´ in der
Lapplandreise, A. v. Humboldt in seinen Reiseberichten –
nicht zu vergessen
Försters Reiseberichte – haben dem Gebrauch die
Aufmerksamkeit des Verstehens
gewidmet. Sie waren natürlich immer auch in kolonialem Auftrag
unterwegs. Wenn
wir der Nützlichkeit nachgehen, sind wir eher auf der
Fährte vergessener
Künste, der immer auch ein Hang zum Volkstänzerei,
zur Folklore angedichtet
wird. Die LandschaftsplanerIn steht immer in dem Dilemma zwischen
Verstehen und
Handeln. Landschaftspfleger, i.w.S. Naturschützer verstehen
nichts und haben
keine Bange administrativ zu Handeln, also einzugreifen,
unverständig aber
machtvoll legalisiert. Ein Seminar zum Färben mit
Pflanzenfarben hat
tatsächlich von Haus aus eine Neugier für den eigenen
Gebrauch. Diese Neugier
ist nebenher das Sprungbrett für die Geschichte und
Ökonomie des Färbens – was
heißt den schon betucht – und der getragenen
Farben. Sammelwirtschaft für die
häusliche Winterarbeit ist dabei von der hofierten
manufakturellen Färberei,
die eingekauft werden musste, zu unterscheiden. Spannend ist, dass
gegenüber
der Ratgeberliteratur und der professionellen chemisch auf
Inhaltsstoffe
kaprizierten Literatur, die immer nur die reinen, an technischen
Schemata
orientierten Färbungen hofiert die Metallsack nuancierte
Färbung (Nuancierung)
mehr zeigt, als die Primärfarbe erkennen lässt: also
– die Paletten. Die primäre
Färbung wird völlig unabhängig von der Farbe
erst geordnet, wenn die
Nuancierung ist Metallsäcken hervorkehrt, was vorher
unsichtbar enthalten war.
Damit sind die Pflanzenfarben nicht nur besser nach dem
‚Ausdruck’ zu erkennen.
Damit wird zugleich die Möglichkeit der Malerei auf Geweben
eröffnet, die u. E.
in der klassischen, gemalten Batikfärberei
selbstverständlich war.
Hülbusch, K.H. et al, Troll, H. (Red.)
Notizbuch
61
Wer lehrt, lernt – Wer nichts lernt, kann nicht lehren
(2003) DIN A5, 254 S. (374g) (11,50 Euro)
Jeder LeserIn lernt beim Lehren ständig über die Sache und das Lehren hinzu. Wenn die LehrerIn dieser Tatsache Ausdruck verleiht, die SchülerInnen sicher sein können, ist der Auftrag, daß sie Wert- und Ernstgenommen sind, ist der Auftrag, das Lernen zu ermöglichen und die Rolle des Lehrers zu delegieren, erfüllt. Prüfungen, von denen schon H. v. Kleist sagt, dass sie ungehörig und unanständig seien, weil sie der Macht des Amts dienen und davon ablenken, dass die LehrerIn Autorität nur über die Lehre erhält und nicht über den Machtmissbrauch der Prüfungen. So wie die Einsichten über die Sache, der Zugewinn an realer Sachkenntnis nur behalten bleibt, wenn der Sachstand aufbereitet und dokumentiert, prüfbar dargelegt wird, ist erforderlich auch die Darlegung der Lehren über da Lehren. Was gemeinhin die Pädagogik genannt und klärt wie gelehrt und gelernt wird. K. Jaspers spricht von der ‚Strenge an der Sache’, damit die Lehre sokratisch gegeben werden kann.
In diesem Notizbuch sind vor – bereitende und nach – tragende Überlegungen zu lehrenden Lernen und lernenden Lehren aus etwa 15 Jahren gemeinsamer Arbeit in Betreuungen (Studier-, Projekt- Diplomarbeiten) und vor allem aus Kompaktseminaren zusammengetragen. Die Essays sind immer an den Widersprüchen in der Lernsituation – ‚das Erzählen und die guten Absichten’ (St. Nadolny) – und dem Dilemma des Lehrens, das zu Recht immer irritiert ist, weil LehrerInnen wie Eltern, LehrmeisterInnen wie SchülerInnen nie abzuschätzen wissen, ob das Leben zu leben ist, mit dem, was gelehrt und gelernt ist. Die Angst der LehrerIn lässt Sanktionen hilfreich erscheinen. Die gegenwärtige Forderung nach der vegetativ, also geklont vermehrten LehrerIn und SchülerIn ist verständlich, wenn diese Unsicherheit wunschgemäß effektiv aufgehoben werden soll im ‚Standard der Zurichtung’.
‚Stellt
euch vor, es geht.
Und keiner kriegts hin.
Die
Lehre geht; das ist da Votum der Beiträge, in denen die
Misserfolge nicht
verschwiegen werden, damit daraus Lehren zu ziehen sind. Die
‚Lehren’ sind kein
Rezept. Wenn neben vielen Gelegenheiten im Alltag an der Hochschule vor
allem
die Lehren an und aus den Kompaktseminaren ‚Ein
Stück Landschaft’ und den
PlanerInnen-Seminaren ‚Ein Stück Stadt’
dominant vertreten sind, hat das gute
Gründe. Die Lerngesellschaft auf Zeit, auf der
‚Insel der Gleichseligen’,
erinnert ein wenig an den Traum der Künstlerkolonien. Das
Glück besteht darin,
dass wir wieder nach Hause kommen dürfen, weil die Ausnahme
nicht dauernd gelebt
aber behalten werden darf. Und jede/r damit machen darf was daraus
plausibel
geblieben ist.
Der Titel "Anthropogene Vegetation" Ist R. TÜXEN (1966) entlehnt und gleichzeitig gewidmet. Wir sehen das Thema, den Gegenstand, 'weit' und 'eng'. 'Weit', weil sowohl die angebaute wie die spontane, absichtliche oder unabsichtliche Vegetation Gegenstand der Betrachtung ist.
In den ersten Beiträgen stehen floristische Themen mit Überlegungen zur Nutzung und zur Ökonomie im Vordergrund. Sabine KINN-DIPPEL 'weckt' den 'Geist des Flachses', Bernd SAUERWEIN entdeckt Gagea pratensis und Carex pendula in Kassel und Karl Heinrich HÜLBUSCH beschreibt die klimatische Ökonomie der Gemüsekulturen. Es folgen Beitrage mit pflanzensoziologisch-vegetationskundlichem Inhalt, die vom Wegrand stammen und klassische Saumgesellschaften behandeln, von Flächengesellschaften berichten, die (noch) genutzt werden, aber auch von Wirtschaftsbrachen und deren Indizien bis zu Baumbeständen. Siegfried KRAUSS und Bernd SCHÜRMEYER leiten über zu Beiträgen vorwiegend landschaftsplanerischer Themen. Der Text von KRAUSS & SCHÜRMEYER wurde bereits 1987 publiziert und hat nichts an Aktualität eingebüßt. Wir geben hier zwei Leserbriefe im Faksimile wieder, sozusagen die 'Stimme aus dem Lande'. Sie sind der Nachweis darüber, daß KollegInnen sich über unsere Arbeiten freuen. Der Beitrag von KRAUSS & SCHÜRMEYER rief aber auch eigenartige Kommentierungen hervor, die bestens die Nähe und Distanz in der Debatte zeigen, das Verständnis von Vegetation und Landschaftsplanung - so sie denn überhaupt noch geführt wird. Es ist doch eigenartig, daß zustimmende Leserbriefe nicht in der 'einschlägigen' Presse abgedruckt werden, ablehnende dagegen offenbar willkommen sind (vgl. z.B. HACKENBERG (1987)). Wenn beispielsweise DIERSCHKE & BRIEMLE (2000) in ihrem Buch "Kulturgrasland", das Bernd SAUERWEIN und Karl Heinrich HÜLBUSCH in diesem Notizbuch kommentieren, die Arbeitsergebnisse aus der Kasseler Schule unterschlagen (z.B. HÜLBUSCH 1969,1986, 1987, MEERMEIER 1993, KLAUCK 1993, LÜHRS 1994), macht das die Sprachlosigkeit der Autoren allzu deutlich. Auch HARD (u.a. 1981; 1998) wird unterschlagen. Karl Heinrich HÜLBUSCH hat u.a. eine Entgegnung zur abgewiesenen Publikation in Tuexenia zur Lythro-Filipenduletea Kl. 1993 verfaßt. Die Ablehnung von der Tuexenia-Redaktion ist interessant, weil einige Autoren (z.B. PREISING et al. 1997, MÜLLER 2003, WEBER 2003) die neue Klasse der hygrophilen Saumgesellschaften, Streuewiesen und Versaumungen längst zitieren. PREISING et al. (1997) haben sie validiert. Den Abschluß macht der Beitrag von SAUERWEIN über vegetationskundige Begriffe und deren Begreifen, womit dargetan wird, daß ohne Bezug zum Gebrauch, zur Alltäglichkeit, zur Ökonomie, das Verständnis der Vegetation abstrakt und spekulativ, damit aber auch nicht mehr sinnvoll verfügbar wird.(aus: Vor-weg Worte zum Notizbuch 62 von E.-J. Klauck und K.H. Hülbusch 2003)
F.Bellin und K.H.Hülbusch (Red.)
Notizbuch
63
Von der Klassenfahrt zum Klassenbuch - Lythro-Filipenduletea an Hamme,
Wümme
und Oste
(2003) DIN A5, 152 S. (234g) (9,25 Euro)
Die orthodox bestrittene Klasse der Lythro-Filipenduletea Klauck 1993 ist immer eine Reise wert. Und dies natürlich an einen Ort, an dem diese Gesellschaften gemein zu finden sind. Im August 2002 haben wir uns mit zwölf Forschern auf die Klassenfahrt begeben und Vegetationsaufnahmen gemacht, die angesichts der historischen Vorgaben niemand alleine hätte machen können, weil dazu der Mut nie ausgereicht hätte. Herausgekommen sind knapp zweihundert Aufnahmen, die im Vergleich zu den historischen Vegetationsaufnahmen nicht mehr von Molinietalia-Arten begleitet werden. Zudem ist bis auf signifikante Vorkommen, die Preisings Überlegung von naturbürtig stabilen Filipenduletea – Gesellschaften bestätigen, die Verbreitung tendenziell flächig und versaumt. Der wirtschaftsbedingte Saum an der Grenze von Gewässern und Grünland (Calthion , Molinion), durch die Mahd stabilisiert tritt jetzt vornehmlich in einer dynamischen Phase mit Begleitern aus den Artemisietea oder Phragmitetea auf. Trotzdem, oder gerade deshalb ist das Fundament der Filipenduletea auch in der Verbreitung der Assoziationen und Subassoziationen vergleichbar geblieben. Jedenfalls ist es nicht die Gesellschaft, die den Naturschützern so heilig ist. Hier gilt wieder mal die bewährte Metapher, daß jede Gesellschaft die Landschaft hat, die sie verdient, aber nicht versteht, weil die Heiligen der Vergangenheit nachtrauern, zu deren Abschaffung sie selbst beigetragen haben.
Der piefigen Kritik an Klaucks systematischer Ordnung der Klasse haben wir mit einer soliden Erweiterung aus guten Gründen eins draufgesetzt. Neben der pflanzensoziologischen Beweisführung am Gegenstand gilt uns hier vornehmlich die Frage des Verstehens, von der R. Tüxen (1972) forderte, daß die Gegenstandsabbildung keinen Sinn mache, wenn damit nicht auch landschaftskundliche Einsichten erworben würden: Was ist da, ist der Gegenstandsabbildung gewidmet; was bedeutet das, gilt dem Verständnis oder der Interpretation. Niemand, der die Landschaft betrachtet, macht die darin enthaltene Arbeit. Könner sind Leute, die Arbeit tun, Kenner sind Leute, die die Arbeit verstehen, von der 'hohen Warte' des Elfenbeinturms (Panofsky, E. ). Vom Elfenbeinturm aus darf man allerdings die Scheinheiligkeit des Historiographen kritisieren, der liebt, was es nicht mehr gibt. Wenn es gute Gründe gibt, die Welt zu ändern, muß zuerst verstanden werden, was geschieht und warum.
„Die
Wahrheit liegt nicht tiefer,
sondern ganz woanders“ (J. Berger)
Oder
ganz einfach: die Vegetation ist nicht Ursache, sondern Ausdruck der
Wirtschaftsweise.
Dafür ist die 'Klassenfahrt' eine
genüßliche Darlegung, die im Übrigen dem
Markt der verkauften Meinungen nicht nacheifert.
Gehlken, B. u, Hülbusch, K.H. (Red)
Notizbuch
64
Von gemeinen Hufen
(2004) DIN A5, 196S. (304g) (9,25 Euro)
Die Siedlungstypisierung ist mangels anderer Merkmale formalistisch nach der Graphik des Straßenmusters durchgeführt worden. Im Vergleich zu den völlig unverständlichen Stadtplänen der Administration ist das ein Schritt zur verstehenden Abbildung, die neben der äußeren Form auch die Ausstattung für den Gebrauch skizziert. Wenn der Siedlungsgrundriß über die Art der Bebauung – Gebäude oder Häuser -, die Straßenlänge und Straßenfläche, die Einwohnerdichte und die Haus- oder Türdichte je Flächeneinheit bzw. Einwohner weiter präzisiert wird, erhält man eine solide Einsicht über die ‚Natur der Stadt’, die menschlich hergestellte Geologie und Morphologie der Siedlung. Diese Siedlungskunde ist ebenso wie die Haus- oder Gebäudekunde ein sträflich vernachlässigtes Feld in der beruflichen Kenntnis von Architekten, Städtebauern und Grüngestaltern, weil sie damit ihre Unbedarftheit beim Entwurf aller möglichen Abstrusitäten zu entschuldigen wissen. Da mit Unkenntnis jeder Fehler vorweg schon entschuldigt ist, kann der Fehler nur vervollkommnet werden. Eine kluge Siedlungskunde muß darauf aus sein, daß die äußeren Merkmale so präzise beschrieben und abgebildet werden, daß die synthetischen Merkmale (die Eigenschaften und Folgen) unmißverständlich daraus ablesbar sind. D.h. auch, daß die Merkmale solide differenziert und abgebildet werden. Und zwar so, daß die synthetischen Merkmale nicht hinzugefügt werden müssen, sondern aus der Gegenstandsabbildung abgelesen werden können, wissentlich. Die Vorbereitung der monolithischen Flächensiedlung von Bauhaus-Gnaden ist genetisch schon im Gründerzeitblock vorbereitet. Dagegen steht die an der Straße orientierte Hufenstadt, die den kommunalen und privaten Anteil an de Siedlung solide trennt und gleichzeitig eng nebeneinander legt. Was jedem autistischen Städtebauer Angst macht, weil Nähe bedrohlich ist.
Notizbuch
65
Gartenflora Bestimmungsschlüssel für
einkeimblättrige Gartenpflanzen
(2004) DIN A5, 242 S. (360g) (11,50 Euro)
Die Zahl erläuternder und beschreibender Staudenbücher ist mittlerweile auf eine beträchtliche, vielleicht unübersehbare Zahl angewachsen. Gartenarchitekten, Planer, Gärtner und Blumenliebhaber nutzen diese Literatur, um ein Nachschlagewerk zur Unterstützung der Arbeit zu haben. Doch sind diese beschreibenden Staudenbücher sehr oft nur im Vorfeld, also bei der Auswahl von Pflanzen für bestimmte Zwecke nutzbar. Eine Bestimmungsliteratur, wie sie in der Botanik für wildwachsende Pflanzen existiert, fehlt weitestgehend bei der Verwendung von Gartengewächsen. Gerade eine solche Bestimmungsliteratur, sozusagen eine „Exkursionsflora'' für Gartenpflanzen ist wichtig und notwendig, um also real vorhandenen Arten benennen zu können. Das Bestimmen von Gartenarten, die wir in Parks oder Garten vorfinden, ist mit der vorhandenen Literatur schwer möglich, weil sie oft alphabetisch geordnet ist, nicht aber systematisch. Oft bleibt beim Bestimmen nur „blättern" übrig. Um Kulturangaben nachlesen zu können, ist es wichtig, den botanischen Namen der Pflanze zu kennen. Unser Bestimmungsschlüssel will also nicht die beschreibenden Pflanzenbücher ersetzen, sondern die Lücke schließen, an der lebenden Pflanze anhand botanischer Merkmale deren Namen finden zu können. Wir gehen also von den in Gärten bereits gepflanzten Blumen und Gräsern aus mit der Fragestellung nach den botanischen Namen, während lexikalische Literatur von der Fragestellung geleitet wird: Was kann wo gepflanzt werden? (aus: Ein Wort vorher in Gartenflora, E.-J. Klauck 2004)
Bellin,
F. , Hülbusch, K.H. (Red.)
Notizbuch
66
Unter Verschluß - Der 'modische Bebauungsplan'
(2006) DIN A5, 204 Seiten (304g) (11,50 Euro)
Rechtzeitig zum dritten Teil der Wollingstseminare zur Bebauung im
März 2006 erscheint mit Notizbuch 66 die ausgearbeitete erweiterte
und vergnügliche Version des Seminarreaders von 'Wollingst II'.
'Wollingst I' debattiert den 'Garten zum Einfamiliengebäude', also
die Freiräume (nachzulesen in Notizbuch 58 Licht und Schatten).
'Wollingst III' wird Einfamiliengebäude- und Hausgrundrisse
verhandeln.
Die Debatten und Beiträge von 'Wollingst II' sind
der Kritik des 'modischen Bebauungsplanes' ebenso gewidmet, wie dem
tauglichen und sparsamen Bebauungsplan. Wer Bebauungspläne einer
kritischen Prüfung zu unterziehen will, muß
Vergleichsmaßstäbe setzen können. Und wer einen
tauglichen und sparsamen Bebauungsplan vorlegen will, sollte über
Regeln und Prinzipien verfügen können, die ebenfalls den
Vergleich der Fälle und die Kenntnis von Vorbildern voraussetzen.
Geeignete Merkmale müssen gefunden und benannt werden, wie die
'synthetischen' Merkmale der 'Relationen'. Statt des völligen
Mangels von Maßstäben und Maßen in der 'Stadtplanung'
sind hier Schritte zu Vergleich und Systematik nebst Regeln und
Prinzipen zu finden. Um Klarheit und Präzision zu finden, kann der
Weg noch weitergehen. Das zeigen auch die Debatten, die dem Seminar
gefolgt und für das Notizbuch niedergeschrieben worden sind.
Das Inhaltsverzeichnis von Heft 66 können sie hier einsehen.
Moes, G., Sauerwein, B. (Red.)
Notizbuch
67
Symposien der AG Freiraum und Vegetation 2001-2004
(2005) DIN A5, 232 Seiten (364g) (11,50 Euro)
Seit 2001 wurde
jährlich im Anschluss an die Jahreshaupt-
versammlung des Vereines eine professionelle Erzählrunde
gesetzt.
Vorbild hierfür waren die Symposien älterer
Veranstaltungen,
allem voran die von R.Tüxen initiierten Symposien der
Internationalen Vereinigung für Vegetationskunde.
Die Jahreshauptversammlung bot einen vereinsnotwendigen Anlass sich zu
treffen, und nachdem sich die Lebens- und Arbeitsorte vieler von Kassel
wegbewegt haben, waren die zufälligen Treffen seltener
geworden,
do dass dieser Rahmen zum gegenseitigen Austausch an Bedeutung gewann.
Den Austausch in eine professionelle, reflektierende und damit solidere
Bahn zu lenken war der Ausgangspunkt der Überlegungen zu den
Symposien.
Das neue Notizbuch sammelt die verschrifteten Beiträge der
letzten
4 Jahre und rettet damit die Vorträge und Erzählungen
auch
über die Jahre. Frei nach dem Tenor des
Schlußkapitels:
"Wer schreibt, der bleibt."
Das Inhaltsverzeichnis können sie hier einsehen.
Bellin, F. u. Böse-Vetter, H. (Red.)
Notizbuch
68
Vor der Haustür
(2007) DIN A5, 208 Seiten (11,50 Euro)
Beiträge für Notizbücher liegen selten vor der Haustür, die Gegenstände von Betrachtungen schon. Vegetationsaufnahmen kann man buchstäblich vor fast jeder Haustür machen, auch wenn in manchen Fugen zwischen Beton und Asphalt keine Vegetation Platz hat. Spurenlese ist nicht auf die Pflanzen angewiesen. Die Vegetation ist aber im Unterschied zu Beton ein Gegenstand der besonders viel ‚verrät’. Das Lesenlernen in der Vegetation kann den Spaziergang oder den Weg zum Feld bereichern. Manchmal, wie in der Geest, kann der tägliche Blick absichtlich aufgeweitet und um Beobachtungen und mitgebrachtes Wissen von Kollegen ergänzt werden. Man muß den Anlaß für ein ‚Gespräch’ herstellen, wenn Erträge wie die hier versammelten entstehen sollen. Manchmal gilt dieses Gespräch auch einem fiktiven Partner, der ‚stiller Partner’ (Berger & Kellner) von Beobachtungen und Notizen wird, wie im Fall der Vegetation von Nordheim eine lokale Schriftenreihe, die dann mit der Mitteilung doch überfordert war. Die Qualität vegetationskundiger Mitteilungen an die ‚Gemeinde’ der Vegetationskundlerinnen lag schon immer darin, dass diese nicht nur für eine Adressatin in der Gegenwart lesbar sind, sondern auch darin, dass sie Vergleich und Gedanken über Zeiten hinweg erlauben, wie Bernd Sauerwein im Nach-denken über Cruciata laevipes und wie Bernd Gehlken, Eberhard-Johannes Klauck und Karl Heinrich Hülbusch in der Debatte um Corydalis claviculata ausführen.
Schnecken bilden in dieser Reihe von Beobachtungen in alltäglichen Situationen keine Ausnahme, zumindest nicht für jene, welche einen Garten haben. Im Gegenteil, Schnecken entgehen professioneller Aufmerksamkeit kaum anders als Poa annua im Sportrasen. Wenn der Lebenszyklus von Schnecken nicht bekannt ist, treibt die Suche nach Patentrezepten der Ausrottung ebenso munter Blüten, wie die Suche nach dem ‚perfekten’ unkrautfreien Rasen.
Dabei zeigt dieser dritte Band mit Beiträgen, die zum Jubiläum 2006 gesammelt wurden, dass Hinsehen zur rechten Zeit und Erinnerung vorgeleisteter Arbeit nicht nur Gesprächsnotizen und Kommentare anregen, sondern auch die Neugier befriedigen, die üblicherweise in die Ferne schweift und den Platz vor der Haustür gering schätzt.
Das Inhaltsverzeichnis von Heft 68 können sie hier einsehen.
Notizbuch
69
Die Forstpflanzengesellschaften des Hunsrücks im
Lichte ihrer Wirtschaftsgeschichte
(2005) DIN A5, 220 Seiten, Tabellenbeilagen, (322g), (11,50 Euro)
Das Heft liefert eine solide und spannende Darstellung der aktuellen Fortspflanzengesellschaften des Hunsrück. Wie der Titel ankündigt, geht es dem Autor in erster Linie darum, die Herkunft, den Wandel der Vegetationsausstattung im wirtschaftsbedingten "Werden und Vergehen" (R.Tüxen, 1966) einer Landschaft zu verfolgen und darzustellen.
Die Arbeit wurde als Dissertation am Fachbereich 06 Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung an der Universität Gesamthochschule Kassel zur Erlangung des Dr. Ing. eingereicht.
Ergänzt und Bebildert wird das Heft durch zahlreiche Photocollagen von Katharina Hüllbusch.
Das Inhaltsverzeichnis können sie hier einsehen.
Bellin, F., Böse-Vetter, H. (Red.)
Notizbuch
70
Von Zeit zu Zeit
(2006) Band 1 und 2, DIN A5, 424 Seiten, Tabellenbeilage, (656 g), (15,25 Euro)
Von Zeit zu Zeit
nehmen wir einen Anlass wie diesen,
20 Jahre AG Freiraum und Vegetation
25 Jahre Notizbücher der Kasseler Schule
und fragen Texte an, was bei denen, die anfragen, immer einen Rest Unsicherheit lässt, als könne es doch einmal sein, dass niemand antwortet. Aber wie schon bei Notizbuch 40 vor 10 Jahren fiel auch diesmal die Antwort üppig aus, so üppig übrigens, dass die zwei Bände von Nr. 70 nicht ausreichen, alle ungefähr 600 eingereichten Seiten von über 30 AutorInnen aufzunehmen; da folgen dann noch umfangreichere Arbeiten zur Vegetation nach.
Die beiden Bände versammeln Beiträge aus der ganzen bunten und breiten Palette des Arbeitens und Denkens der Arbeitsgemeinschaft Freiraum und Vegetation und ‚umzu': aus Tanz und Bewegung, Lehre und Forschung, Landschafts- und Landeskunde, Vegetationskunde und Vegetationshandwerk, zur Pflege- und Freiraumplanung, zur Vogel- und Klimakunde. Und wem das nicht reicht, dem sind noch spannende Beiträge von AutorInnen geboten, die wir bis hierhin auch kaum kannten und die den Anlaß mit aufgegriffen haben. Natürlich wird die ‚Geschichtsschreibung' der ‚AG' fortgeführt - nebst einiger Sprüche und Späßeken -, deren Arbeit seit 1995 und auch seit K.H. Hülbusch's Emeritierung 1999 sich immer noch sehen und hören lassen kann.
Alles in allem also zwei Sammelbände und eine Situation, die einen Blick zurück rechtfertigen: "Wer hätte gedacht, dass wir so weit zählen lernten", schreibt Karl Heinrich Hülbusch in diesem siebzigsten Notizbuch. Es ist wohl die eigene Verwunderung darüber, dass wir immer noch produktiv sind, die uns dazu animiert, Jahresringe zu markieren und von Zeit zu Zeit besondere ‚Meilensteine' zu setzen.
Das Inhaltsverzeichnis der beiden Bände von Heft 70 können sie hier einsehen.
Notizbuch
71
Metaphern und Metamorphosen der Landschaft
(2007) DIN A5, 304 Seiten, (13,25 Euro)
"... ist alles so schön bunt hier..."
(Nina Hagen Band, "Ich glotz TV", 1978).
"..Wer nur auf Straßen geht, muss zwangsläufig annehmen, alle Dörfer seien hintereinander aufgereiht. Sie liegen aber in der Landschaft umher. ..."
(Peier o. Chotjewitz. Die Herren des Morgengrauens. S.177).
In seiner Arbeit "Metaphern und Metamorphosen der Landschaft - Die Funktion von Leitbilder in der Landespflege" betätigt sich Frank Lorberg mit bewundernswerter Feinfühligkeit und Akribie beim Einreißen von Leitbildern und -Vorstellungen nicht nur in der "Landespflege", sondern auch in dem, was aktuell als moderne Planung vorherrscht und aktuell zu sein vorgibt. Im besten Sinne von Wissenschaft betreibt er die Kritik von Modellvorstellungen, wobei er - selbstverständlich - nicht umhinkommt, selbst Modelle entgegenzusetzen, die jedoch in ihrer kritischen Anwendung die systematische Fehlleistung der herrschenden Leitbilder entlarven. Fast immer dienen letztere der Aufrechterhaltung einer Herrschaft von Fachleuten, die glauben, über Landschaft alles zu wissen, oder einer moralisierenden Lenkung der Menschen.
(aus dem Vorwort von Helmut Holzapfel)
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Notizbuch
72
Der schöne 'Eichen-Hainbuchen-Wald' - auch ein Forst
(2008) DIN A5, 176 Seiten, 5 Tabellenbeilagen (13,25 Euro)
Wenn man bei der Arbeit einem bestimmten Verfahren folgt, so wie wir der Pflanzensoziologie nach BRAUN-BLANQUET, dann kann das nicht heißen, dass man beim Eintritt in die heiligen Gemächer seinen Verstand, seine Erfahrung und Umsicht an der Garderobe abgibt. Erfahrung und Umsicht sind nach TÜXEN (1955) das wichtigste Handwerkszeug der pflanzensoziologischen und vegetationskundlichen Arbeit. Die dogmatische Handhabung jedes Verfahrens, auch wenn dieses einfachen Regeln folgt und vielfach bewährt ist, führt schnell dahin, dass der Buchstabe des Gesetzes den Geist tötet, aus dem es geschaffen wurde" (ERIKSON 1997: 85). (..)
Trotz reichlich vorhandener ideologischer Ver(w)irrungen ist in der pflanzensoziologischen
Systematik die praktizierte Mischung floristisch-soziologischer und phänologischer
Merkmale i.d.R. einsichtig und folgt der Logik des Verfahrens, nicht aber einem
fixen Schema. Und es ist im Dienste der Merk- und Nachvollziehbarkeit richtig,
die Praxis der Ackersoziologie, wo mit Recht die einzelnen Kulturarten ausgeblendet
werden, weil sie weder soziologisch noch für die Erinnerung notwendig sind,
für den Forst zu variieren. In der Forstsoziologie ist es angemessen, die
Kulturarten an der soziologischen Gliederung zu beteiligen, weil man sonst
den pflanzensoziologischen Typen in der Landschaft wie in der Erinnerung
kein Bild zuordnen könnte.
(Bernd Gehlken)
Notizbuch
73
Reisen um Fragen zu finden
(2008) DIN A5, 200 Seiten, 9 Tabellenbeilagen (13,25 Euro)
Gelegentlich muss explizit daran erinnert werden, dass die Reise nicht der Zerstreuung sondern, wie Appel (1992) empfiehlt, der Erinnerung dient. Manche Reisen sind einem konkreten Anlass, einem Besuch oder einer Besorgung, z. B. des berühmten 'Kilochen Nägels', gewidmet. Andere Reisen dienen dem Vergleich und der Versicherung des Bekannten und sind der Kontemplation sowie der Schulung der Aufmerksamkeit verpflichtet. Solche Reisen sind mit einer Einkehr am fremden Ort zu vergleichen und werden erzählend mitgeteilt.
"Erzählerinnen sind Erfahrene, Kundige. Zwischen dem/der Erzählerin und seinem/ihrem Stoff besteht eine handwerkliche Beziehung. Ein/e Erzählerin bearbeitet den 'Rohstoff der Erfahrung' (...) auf eine solide und nützliche Art und Weise, so daß die Geschichte immer auch einen Rat enthält" (Gehlken 2000: 260).
Was man so unmittelbar und direkt sieht, ist wirklich, ohne gleichzeitig auch wahr zu sein. Wir lesen gemäß unseren Kenntnissen und Erfahrungen in die äußere Wirklichkeit eine Wahrheit hinein; wir werten und deuten, was wir sehen, weil wir die Dinge auch i.S. von Zeichen betrachten. Doch, wer nicht auf den Vordergrund hereinfallen will, muss gelernt haben, die Geschichte in den Dingen zu entschlüsseln, also sie zu lesen wie einen Text. Arglos trauen wir jedem, der eine Geschichte erzählt, zu, daß er zu lesen vermöchte. Und so geschieht es oft, dass wir den Scharlatanen oder die Suggestion der wahren Verheißung nicht vom Geschichtenerzähler zu unterscheiden wissen. So hat z.B. die 'Katastrophenphantasie' aller möglichen Zukunftsprophezeiungen Konjunktur, weil sie im Gewand des Reichtums an Wissen und Erfahrung verkleidet auftritt:
"Das, welches am schönsten zu sein scheint und die größten Blutbäder anrichtet, heißt 'Das Glück der künftigen Generationen'. Seit einem halben Jahrhundert hat das sogenannte Glück der zukünftigen Generationen das Unglück aller gegenwärtigen Generationen bewirkt' (Giono 1989(63): 59)
(aus dem Vorwort von K.H. Hülbusch zum Buch)
Das Inhaltsverzeichnis von Heft 73 können sie hier einsehen.
Neue Leitbilder bedeuten nicht automatisch neue Qualitäten. Diesem Phänomen geht die vorliegende Arbeit anhand städtebaulicher Leitbilder und daraus erfolgten Siedlungsentwürfen seit den 1920er Jahren nach. Die Begriffe "Hausen" und "Wohnen" werden genutzt, um unterschiedliche Beurteilungsstränge der Arbeit darzulegen.
"Hausen" steht für ein Denken, dass an der Gebrauchsökonomie des Alltags orientiert ist. In den Vordergrund gerückt wird häusliches Wirtschaften als ökonomische Grundlage und ein Tätigsein der Menschen. Haus, Hof und Straße erhalten eine wichtige Rolle als Gebrauchsorte für viele verschiedene ökonomische und soziale Situationen.
Im Gegensatz dazu wird "Wohnen" für die Idee von Freizeit als Gegenpart zur Erwerbsarbeit gesetzt. In diesem Zusammenhang gelten Wohnung und Siedlung als Orte der Erholung. Repräsentatives Grün soll dies unterstützen, zum Schutz werden Verkehr, Arbeit und Fremde fern gehalten.
Die Hartnäckigkeit, mit der "Wohnen" immer wieder neu in Szene gesetzt wird, wird ersichtlich in der Beschreibung verschiedener städtebaulicher Leitbilder, die seit den 1920er Jahren formuliert und umgesetzt wurden. Egal ob modern, organisch, autogerecht, urban, nachhaltig oder frauengerecht - deutlich wird, dass mit dem "Wohnen" zugleich monolithische und spezialisierte Siedlungsorganisationen beabsichtigt und gebaut werden. Nicht nur der privat verfügbare Raum ist eingeschränkt- der öffentliche Raum wird auf wenige Orte zentralisiert. Dementsprechend bieten diese Siedlungen bis heute nur wenige Verhaltensangebote und geringe Anpassungsfähigkeit.
Wo das "Hausen" und damit das Tätigsein der Menschen Platz findet, zeigt der Vergleich mit Stadtteilen (zumeist der Gründerzeit und älter), die nach wie vor als städtisch und lebendig wahrgenommen werden. Anhand wesentlicher Prinzipien wird gezeigt, welche Formen der Erschließung, Parzellierung und Bebauung Voraussetzungen dafür bieten, dass viele verschiedene ökonomische und soziale Lebensweisen sich einrichten können und ein Nebeneinander von häuslichem und gewerblichem Wirtschaften möglich ist. Ihre Prinzipien werden in einen Vorschlag eingearbeitet, wie Gender Mainstreaming im Sinne eines Blickwechsels für die Planung nutzbar gemacht werden kann.
In einem theoretischen Anhang werden einzelne Themenschwerpunkte vertieft. Sowohl Aspekte der Professionsgeschichte als auch der Alltagsökonomie werden aus Geschlechter-Perspektive untersucht. In dem Zusammenhang wird auch die aktuelle Diskussion über Gender und Diversity als sinnvolle Ergänzung zur Freiraumplanung vorgestellt. Anhand einer Einfamilienhaussiedlung wird gezeigt, wie diese Theorien dazu beitragen, strukturelle Benachteiligungen zu erkennen.
(Zusammenfassung in Heft 74)
Das Inhaltsverzeichnis von Heft 74 können sie hier einsehen.
Hülbusch, Inge Meta, Protze, Käthe (Red.)
Notizbuch
75
Über den Tellerrand
(2007) DIN A5,176 Seiten, (9,25 Euro)
"Das
bekommen wir doch gebacken", so Meta, als es konkret wurde mit dem
Notizbuch. Seit drei Jahren ist es im Gespräch, doch jedes Werk braucht
letzten Endes einen Termin. Und diesen Termin gibt es -
glücklicherweise - diesen Sommer. Und auch wenn es keine Festschrift
werden sollte, der 70. Geburtstag von Meta war zwingender Anlass,
endlich! in die Pötte zu kommen
...
Beim Suchen, Sammeln und
Rühren dann -weißt Du noch, als Du das erste Mal in Wien warst. Damals
Januar 1987. Als Lilli Licka und Uschi Kose vom Frauenreferat der Boku
Dich eingeladen hatten. "Frauenplanung - Planungsfrauen" hieß die
Veranstaltung. Wir waren so neugierig, was uns die erfahrenen
Landschaftsplanerinnen, an der Uni gab es ja kaum Frauen in der
Lehre (das hat sich bis heute ja dann doch geändert), aus ihrer Praxis
erzählen würden. Damals hatten wir Frauen (und auch einige Männer) uns
über runde und eckige Entwürfe die Kopie heiß geredet. 'Innenhaus und
Außenhaus' und die 'Produktion der Reproduktion', was haben wir
gestaunt, wie praktisch und lebensnah Planung sein kann.
…
(aus dem Vorwort von Käthe Protze)
Das Inhaltsverzeichnis von Heft 75
können sie hier
einsehen.
Lechenmayr, H. (Red.)
Notizbuch 76 der Kasseler Schule
Symposien der AG Freiraum und Vegetation 2005-2008
A5, 248 Seiten, Beilagen, 13,25 Euro
Es ist immer wieder ein Vergnügen den Überlegungen und Schlussfolgerungen zu Alltagsphänomenen und Gelegenheiten beruflicher, nebenberuflicher und familialer Tätigkeit in vergleichsweise kurzen Beiträgen zuzuhören und dann etwas ausführlicher ( nach-) lesen zu können. Es verwundert aber auch, daß die Gelegenheit in Symposien möglichst vielen Teilnehmerinnen eine Bühne für kurze Beiträge und ausführliche Diskussionen zu geben, so selten geboten wird (s. Sauerwein B. 2005:5-13). Stattdessen werden die demonstrativen Auftritte immer der gleichen Festredner aus Regierungen, Ministerien und regierungsamtlichen Instituten für Teilnehmerinnen mit Reisekosten- und Tagegeldanspruch aufgeführt. Lassen wir das mal - und widmen uns der Nachlesbarkeit von Symposiumsbeiträgen.
Das Inhaltsverzeichnis von Heft 76 können sie hier einsehen.
Hülbusch, K.H., H. Volz (Red.)
Notizbuch
77
Altmark-Reise - Romanische Dorf-Kirchen
(2009) DIN A5, 144 Seiten, (9,25 Euro)
Nicht kaputt zu kriegen - zum Prinzip der Persistenz
(Karl Heinrich Hülbusch, Hannes Volz)
Wenn wir mal gucken, wie lange die gelobten Werke der letzten 50 Jahre halten,
ist der Ertrag sehr sparsam. Die Kirchen in der Altmark haben ca. 800 Jahre überstanden.
Profane Bauten sind bestenfalls 250 bis 300 Jahre alt, also inklusive der
Siedlungsgrundrisse so um die 250 Jahre alt. Siedlung und Kirche haben nichts miteinander zu tun.
Die Bauerei des Vorklassizismus ist offenbar, wie bei der in Schwaben 'Vereinödung' genannt,
ohne Dokument und Indizien aufgebaut worden. Deshalb stehen die Kirchen so 'beziehungslos' und
zufällig in den Siedlungen herum. Die Preußen waren ja militante Protestanten. Der Kirche
boten sie keinen vorzüglichen Ort, eine Regel der Anordnung in der klassizistischen Neusiedlung an
- behandelten sie geradezu lieblos, wie unsere kursorische Prüfung der Kirchenstandorte zur Siedlung
ergibt. Das Paradebeispiel dafür ist die Apsidenkirche mit Westturm in Giesenslage, an der Herr Bodenstein uns in die
Altmarkkirchen eingeführt hat. Weit und breit keine Siedlung. (...)
Das Inhaltsverzeichnis von Heft 77 können sie hier einsehen.
Lorberg, F. Hülbusch, K.H., Gehlken, B. Volz, H. (Red.)
Notizbuch
78
Altmark-Reise - Ackerbrachen
(2010) A5, 188 Seiten, Beilagen (11,50 Euro)
Ackerbrachen in der Altmark - bei und um Buch herum, Seminar vom 21.6.08, 14:00 bis 28.6.08, 11:00 in Buch/Kreis Stendal-Altmark zum Zwecke von Vegetationsaufnahmen landespflegerischer Ackerbrachen sowie Armerion-Gesellschaften auf Kirchhöfen. Am Rande des Elbtals zwischen Aue und Niederterrasse sind sandige Flächen, Binnendünen (und evtl. Sander) verbreitet, die in der Regel von Kiefernforsten bestanden werden. Zwischen diesen Forsten und den ackerbaulich intensiv bewirtschafteten Böden mit Ackerzahlen über 60/70 Bodenpunkten liegen heute Ackerbrachen mit niedrigen Ackerzahlen, die dem Augenschein nach - durch Naturschutzförderung subventioniert - jährlich einmal gemäht werden. Im Gegensatz zu einem Seminar mit dem 'Auftrag', vom Quartier aus alle erreichbaren Pflanzengesellschaften zu dokumentieren, geht ein Seminar mit der Aufmerksamkeit auf ein Phänomen selektiv vor und betrachtet weitere Erscheinungen nur nebenher.
Das Inhaltsverzeichnis von Heft 78 können sie hier einsehen.
Hülbusch, K.H., Gehlken, B.(Red.)
Notizbuch 79
Strandgut - Vegetationskundliche Fundstücke
(2011) A5, 278 Seiten, Beilagen (13,25 Euro)
„Sowohl im heimatlichen als auch im fremden Gelände habe ich nie gelernt, gut „vorbereitet“, d.h. genügend unterrichtet über die bisherigen Auffassungen, Ergebnisse der Wissenschaft ein Objekt oder Phänomen zu betrachten und das Bekannte darin wiederzufinden. Erst nachdem ich eigene Eindrücke gewinnen konnte, habe ich die bisher erreichten Erkenntnisse damit verglichen. (…) Meine meiner Veranlagung entsprechende „Methode“ mag viele Nachteile haben, weil mir vieles entgeht oder erst nachträglich deutlich wird, aber sie hat auch den Vorteil des unbefangenen Beobachtens und Findens“ (R. TÜXEN in: TÜXEN, J. 1982: 12f).
Auf der dritten Altmakt-Reise näherten wir uns ganz im Sinne Tüxens den Teichboden-Gesellschaften (Isoëto-Nanojuncetea) und Zweizahn-Ufersäumen (Bidentetea). Die artenarmen Gesellschaften dieser Klassen sind ein anschauliches Beispiel für Thienemanns biozönologisches Gesetzt: Je extremer ein Standort, desto artenärmer und individuenreicher ist die Biozönose. Die am sandigen Elbstrand verbreiteten Gesellschaften mit oft winzigen Mickerformen der beteiligten Pflanzen sind zugleich ein prima Indiz Wasserführung und Strömung in den Buchen zu erschließen. Letztlich für das unbefangene Beobachten im Vergleich mit den literarisch dokumentieren Erkenntnissen zur syntaxonomischen Neubewertung Corrigiola-reicher Gesellschaften in der Klasse der Isoëto-Nanojuncetea, zur Beschreibung des Corrigiolion litoralis all. nov.
Dem Bericht von der Altmarkreise sind weitere Berichte und Reiseberichte zu Vegetation und Klima beigestellt.
Das Inhaltsverzeichnis von Heft 79 können sie hier einsehen.
Hülbusch, K.H., et al. (Red.))
Notizbuch 82
Beschwerliche Reisen zu den Abgründen
des Weinbaus an der Mosel,
des Reichs der ökologischen Spekulation und
der Haldenbegrünung nach der Braunkohle
(2013) A5, ca. 300 Seiten, Beilagen (15,25 Euro / Abo 12,25)
Die Metapher von Andrea Appel (1992: 19) "Reisen, ohne daß Weite zu suchen" ist unübertroffen: "Wir können nicht nur das Fremde erfahren, sondern wir können auch das Bekannte neu erfahren". Dies setzt freilich voraus, daß nicht nur das bekannte 'Zuhause' vertraut ist, sondern auch, daß wir in der Fremde Vertrautes wiedererkennen. Stoßen wir in der Fremde auf Phänomene, die wir nicht mit dem zuhandenen Wissen verstehen, können wir das Phänomen sofern es ästhetisch-propagandistisch überhöht dargeboten wird, touristisch bestaunen oder es einfach ignorieren, wegschauen und übersehen. Diese einfachen, touristischen Fluchten waren uns nicht gegeben bei den Reisen zum Weinbau an die Mosel und zu den Haldenbegrünungen im rheinischen Braunkohlerevier. Die Absicht war ja gerade, die Phänomene nicht nur als alltagspraktisch Reisende anzuschauen sondern als beruflich Reisende zu betrachten. Wir konnten daher nicht wegschauen, obwohl wir nur wenig Vertrautes erblickten. Obwohl wir uns den Gegenständen nur mühsam nähern konnten, ermöglicht unser Blick auf das Fremde in der Fremde vielleicht eine neue Aufmerksamkeit auf das Fremde zu Hause, die wir auch in Befürchtung der Konsequenzen bisher geflissentlich übersahen. Wir hätten spätestens seit Hans Jürgen Stolzenburgs ökologischer Wirkungsanalysten (1983) ahnen können, daß die Verstehbarkeit der Landschaft tendenziell aufgehoben wird. Aus diesem Grunde drucken wir die Arbeit Stolzenburgs in diesem Notizbuch noch mal nach. (...weiterlesen)
Das Inhaltsverzeichnis von Heft 82 können sie hier einsehen.
und sonst noch:
Die Notizbücher sind Dokumente der Lehr-Lern-Forschung in der Tradition des forschenden Lernens wie es in den 70er Jahren in und mit der Studentenbewegung formuliert wurde. Die Forschung besteht deshalb nicht im Auftrag sondern in der Aufmerksamkeit gegenüber biographisch und / oder virulenten Fragen, dem ‘Erwartungsbestand aus schon erworbenem Wissen (A, Schütz) - ist professionell und individuell. Die Neugierde der Lehrenden - und die dürfen motiviert sein - wird darin nur indirekt virulent, wenn sie die Lernenden nicht für ihre Vorlieben vereinnahmen. Der ‘Landschaftsplan’ (i.w. wie e.S.) ist mal wieder dran, die Stadtvegetation verfügt über vorbereitende Texte, die Professions- und Disziplingeschichte hält einige Arbeiten vor, die Landwirtschaft und die ‘Klassenlotterie’ (pflanzensoziologisch) hat auch noch einiges zu bieten. Gut: wie immer werden die ‘Maße am Bau geprüft’.
Eine
Hochschule, wenn sie denn der Lehre - dem Auftrag der
HochschullehreInnen -
dient oder ‘frönt’ kann Erträge
der Arbeit in den Studien der StudentInnen
ausweisen und damit deren Reputation fördern. Was die
StudentInnen damit
machen, wie sie mit den Pfründen ihre Berufsbiographie
organisieren, steht in
ihrer Verantwortung. Jedenfalls kann es nicht richtig sein, wenn die
Lehrenden
vornehmlich ihrer Reputation und ihrem Geschäft nachgehen.


